Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.

Kennt jemand von euch noch die Werbung, in der jemand Fotos seiner Besitztümer vor einem ehemaligen Klassenkollegen auf den Tisch klatscht, um anzugeben? Ich glaube er macht das, weil er die richtige Bank hat.
Ich könnte jetzt googeln – aber um die Werbung geht’s jetzt gar nicht.

Es geht um das Haus, das so aussieht, als wäre es endlich unseres. 

Vor 10 Jahren sind wir eingezogen, mit der Option es eben 10 Jahre später zu kaufen.
Damals war ich sehr jung. In einem Alter, in dem die meisten Party machen, studieren,  sich weder beim Freund noch bei den Klamotten festlegen und schon gar nicht an Haus und Garten denken. Ich war bereits Mama und hatte das mit den Parties ohnehin zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Ich wollte dem Kind die beste Umgebung zum Aufwachsen bieten, darum die Sache mit Wohnen im Grünen und so.
Aber ein Haus kaufen … das hat selbst mich überfordert.
Und dabei ging’s ja noch gar nichts ums Kaufen. Nur ums Mietkaufen.
Das ist wie Kaufen nur mit 10 Jahren Bedenkzeit.

Ich weiß noch gut wie ich in den Nächten, in denen mich die Entscheidung um den Schlaf gebracht hat, im den Block gerannt bin, in dem wir damals wohnten. Meine Gedanken fuhren Karussell und ich bin ihnen mit den Laufschuhen nachgerannt. Wie ich’s immer mache, wenn ich viel nachdenken muss.

Am Ende war ich top in Form, und der Vertrag war unter Dach und Fach.

Wir sind eingezogen, haben einen Rasen gepflanzt, eine Hecke, etliche Büsche, Sträucher, Himbeeren und Tomatenpflanzen. Haben eine Hütte gebaut, einen Spielturm mit Schaukeln. Wir haben zuerst ein Kind hier großgezogen, dann zwei. Wir haben im Winter vorm Kamin gekuschelt und im Sommer auf der Terrasse gegrillt. Wir haben Freunde eingeladen, die ganze Familie. Wir haben 10-mal Weihnachten gefeiert. Und genauso oft etliche Geburtstage. Haben ein bisschen was verändert aber noch kein einziges Mal ausgemalt. Wir haben den Hauseingang je nach Jahreszeit passend dekoriert und es noch nie geschafft, die Deko zeitgerecht auch wieder wegzuräumen. Zu Ostern steht dann immer noch die Weihnachtslaterne. Die Kinder haben auf der Straße vorm Haus Radfahren gelernt, kiloweise Straßenkreide vermalt und tausende Seifenblasen in den Himmel steigen lassen.

Wir waren immer mal mehr davon überzeugt hier zu bleiben, und dann mal etwas weniger. Es war ein ständiges Abwarten, Abwägen. Nie haben wir allzuviel in irgendwas investiert, weil wir nicht wussten ob wir bleiben. Nicht, dass es uns hier nicht gefallen würde – wir lieben es. Aber wer weiß schon, was in 10 Jahren passiert. Und in den letzten 10 Jahren hat sich wahrlich einiges getan.

Man weiß am Anfang nicht:
Können wir uns das dann leisten?
Wollen wir uns das dann leisten?
Geht uns das Pendeln dann auf den Sack?
Würden wir lieber gern wieder in der Stadt wohnen?
Wo geht das Kind bzw. die Kinder in die Schule?
Werden wir gesund sein?
Werden wir einen Job haben?
Klappt alles mit der Finanzierung?
Was sagt die Bank?
Was sagt die Wirtschaft?

Die letzten 10 Jahre waren aufregend.
Aber am Ende wussten wir: Wir wollen das Haus.

Das Einzige, was uns gehindert hat, war unser Vertragspartner, der das Ganze lähmende, nervenraubende, mühsame 5 Monate hinzog. Diese Zeit hat mich viele Nerven gekostet.
Seit Donnerstag wissen wir: Der Kaufvertrag ist von beiden Seiten unterzeichnet.
Kaum einer ahnt, was das für ein Gefühl ist.

Ich gehe durch das Haus, streiche über die Wände, freue mich und denke:
Das gehört bald alles uns. (Okay, erstmal der Bank. Aber irgendwann und irgendwie auch sehr stark uns.) Ich sperre morgen die Tür hinter mir zu, schaue liebevoll auf das Haus und danke mir: Meins. Meins. Meins.
Ich gebe noch ein bisschen mehr darauf Acht, dass der Boden keine Kratzer und die Fassade keine Schürfwunden bekommt.

Noch ist längst nicht alles abgewickelt. Das ist ein bürokratischer Hürdenlauf und monetärer Kraftakt. Aber nach dem jetzt alles so lange gedauert hat, nehm ich die letzten Meter liebend gern in Kauf.

Materielles ist mir in den letzten Jahren immer unwichtiger geworden.
Aber ein eigenes Zuhause zu besitzen, das ist schon ein Wunderding.
Fast immer die größte Investition im Leben eines Menschen.
Und eine, die emotional mehr bewegt als ich geglaubt hätte.

Ein riesengroßes Hach an dieser Stelle. Und danke an alle, die mit gutem Zureden und guten Tipps in den letzten Monate zur Seite standen. ❤

Ein Gedanke zu “Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.

  1. Whaaaa! Das sind ja tolle Neuigkeiten 🙂
    Und ich kann es Euch 1:1 nachempfinden, wie stressig das ist. Also fast, denn Ihr wisst ja schon worauf Ihr Euch einlasst.
    Aber dieses Gefühl „Meins! Und für unsere Kinder!“ das ist unglaublich 🙂

    Gefällt 1 Person

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