168 Stunden Mallorca

Seit Tagen schleiche ich um diesen Artikel wie ein appetitloser Zootiger um sein T-Bone Steak. Denn im Grunde war es ein gelungener, vor Superlativen strotzender, stinknormaler Traumurlaub. Das Meer war blau und warm, das Hotel super, das Essen auch. Wer will sowas schon lesen?

Das einzig Besondere war vielleicht, dass wir zu zweit waren. Nur das Mädchen und ich. Na gut, am Anfang waren wir zu dritt: Sie, ich und meine Flugangst. Doch der riss nach der deftigen Flugverspätung wohl der Geduldsfaden.
Mit einer 4-Jährigen zu verreisen klingt für viele nicht gerade nach Urlaub – aber für uns war es das. Endlich hatten wir Zeit für zwölfmillionen Partien Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst und „Gelbes Auto“, Sandburgen und ungestörte Gespräche. Wir wusste selten, welcher Tag gerade war oder was wir in drei Stunden machen würden wollen. Wir lebten in die Tag hinein, aßen, tauchten, schliefen (wenig), ließen uns Schwimmhäute wachsen und grinsten vor uns hin. Gute Güte, war das herrlich.

Hotel? Cluburlaub.
Unser Hotel war ein Club. Mein erster Cluburlaub überhaupt. In einer sehr humanen Form (kein Animateur hat mich je angesprochen), aber immerhin. Frühmorgens wurden standesgemäß die Liegen von deutschen Urlaubern besetzt und beim Frühstücksbüffet, dessen Tische sich nicht mehr hätten biegen können, hatten dennoch ein paar Leute Stress zu verhungern. Unsere Lösung: in der Wiese liegen (was die Liegen betrifft) und nur zu Randzeiten Essen zu gehen. Der Rest der Anlage war aber überraschend genial. Sehr viel Grün, ständig gemähter Rasen, kaum Lärm, Sportangebot, Piratenschiff-Pool für Kinder, eigene Autovermietung, eigener Wäscheservice, supernette Mitarbeiter, … das Reisbüro nennt es „gehobene Klasse“, als Airbnb- und Pension-Garni-Urlauberin nenne es „purer Luxus“.

Herzerwärmend fand ich immer auch dieses Reigen, wenn Gäste begrüßt wurden, die zum wiederholten Male kamen. Was da zwischen denen und dem gesamten Personal abging, war fast kitschig. Beim ersten Mal dachte ich noch, die Gäste wären wohl einfach Verwandte, beim vierten Mal schöpfte ich Verdacht und schlussendlich bestätigte mir ein Schweizer (selbst zum 8. Mal da), dass die meisten immer wieder kommen und das Personal seit der Eröffnung nicht gewechselt habe. Da seufzt doch mein Herz vor Entzückung.

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War denn alles immer rosig?
Nicht ganz. Unangenehm wurde es nur dreimal. Beim Hinflug, als es durch die ganze Verspätung schon Mitternacht war, bis wir endlich landeten und ich mit einem schlafenden Brocken auf einem Arm und den Koffer am anderen durch den Flughafen irrte. Der Typ mit meinem Namen auf einem Taferl war längst weg und ich musste mich gegen eine Menge ungeduldiger, rücksichtsloser Urlauber durchsetzen, ein Taxi zu bekommen.
Das zweite Mal wenig prickelnd war es, als meine Tochter die halbe Nacht wegen Ohrenschmerzen durchbrüllte. Das spanische Neureflex heißt Daisy (weiß ich jetzt) und super Ohrenstöpsel haben die auch. Am Morgen nach der durchwachten Nacht regnete es. Ich verfluchte es, keine Jacke eingepackt zu haben. Das war die dritte Unannehmlichkeit. Zum Glück ging der Regen so schnell vorbei wie das Ohrenweh. Jackpot!

Und wie ist jetzt Mallorca so?
Mallorca ist eine deutsche Insel. Könnten man meinen. Es gibt vor allem Deutsche, ein paar Spanier, wenige Franzosen und Schweizer und „zwei Österreicher“, wie der Strandnachbar aus Basel so lustig formulierte und damit uns meinte.
Lange setzte ich Mallorca mit Ballermann gleich, was natürlich so nicht ganz stimmt. Ballermann ist ein winzig kleiner Teil von Mallorca. Deutsche gibt es aber gefühlt auf der ganzen Insel, so wie den Tourismus. Fast alle hier sprechen fließend unsere Sprache. Du gehst in ein Geschäft und sagst „Hola!“ – darauf sagt der Spanier „Hallo, guten Tag“. Hmpf.
Aber vergesst alles, was ich über Mallorca sage, denn ich habe keine Ahnung. Wir haben im Grunde kaum was gesehen. Ein bisschen Palma und Colonia Sant Jordi, ein Fischerdorf, dessen knappe Beschreibung im Reiseführer mit „Besonders schön ist es nicht …“ eingeleitet wird.
Ich glaube also, ich muss nochmal hin 😉

Was haben wir gesehen? So richtig wie echte Touris?
Marineland, Palma (5 von 5 Leni-Empfehlungspunkten)
Aquarium Cabrera, Sant Jodie (4 von 5 Leni-Empfehlungspunkten)
Es Trenc, „die Karibik“ Mallorcas, kilometerlanger Strand (steht unter Naturschutz)
(5 von 5 Leni-Empfehlungspunkten)

Die nächste Reise steht schon in den Startlöchern. Sie wird 48 Stunden dauern und nicht allzu weit weg führen. Ich freue mich riesig und werde demnächst berichten.

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