Pragschönheiten und Geschwisterzwist.

Kürzlich war ich in Mallorca. Allein mit dem Kind. Eine Woche lang. Mit dem Flugzeug und an einem fremden Ort. War alles problemlos.
Kurz darauf war ich 24 Stunden in Prag. Mit meinem (erwachsenen) Bruder. Was für eine Challenge. Seit wir wieder da sind, sprechen wir nicht mehr miteinander.

Wir hatten wohl einfach unterschiedliche Vorstellungen. Von allem. Von der Schrittgeschwindigkeit, mit der wir durch die Stadt gehen. Von der Menge an Geld, die wir für ein Abendessen ausgeben. Von der Häufigkeit der Pausen, die wir während der Autofahrt nach Prag einlegen. Wir sind wie das Paar, dass sich wegen der offenen Zahnpastatube in die Haare bekommt. Nur dass wir kein Paar sind, sondern blutsverwandt. Da schimpft es sich gleich noch viel schneller in Rage. Wirklich: Wir haben uns wie minderjährige, streitsüchtige, fauchende Geschwister benommen.
Mittlerweile kann ich fast darüber schmunzeln. Aber hey: Wir reden nicht mehr miteinander. Es gilt eine Ehre zu retten. (Nicht vergessen!)

Und dabei wollte ich nur Prag im Sommer erleben und eine gute Zeit haben. Ich war letztes Jahr im Oktober schon mal dort und habe hier darüber geschrieben.
Prag selbst ist zum Verlieben. Wirklich. Im Sommer sogar noch mehr als dann, wenn es kalt ist. Aber von vorn. Wo haben wir eigentlich genächtigt?

Halb Boot, halb Hotel – kurz: Botel.
Prag liegt an der Moldau. Nicht so, wie Linz an der Donau liegt, mehr so wie Graz an der Mur liegt. Was ich sagen will: Die Prager leben diese Wassernähe. Alles, was lässig ist,  spielt sich an der Moldau ab. Bars, Inseln, Museen, Tretboote. Darum wollten wir genau dort nächtigen. Es gibt einige Botels in Prag: ich kenn das Racek, das Albatros, das Admiral. In letzterem haben wir angeheuert.
Das Ambiente ist der Hammer. Im Grunde ist es wie ein Seefahrermuseum. Oder ein Urlaub auf der Titanic (ohne Eisberg). Überall steht Nippes rund ums Schippern herum – stilecht bis zu den Toiletten. Bei so viel Seemannscharme sieht man über die kleinen Kajüten gern hinweg. Und, was für Seekranke wie mich nicht unwesentlich ist: Es schaukelt nicht!

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Prager Inseln (Moldauinseln)
Ich erwähnte ja eingangs schon, dass das mit dem Sightseeing diesmal nicht so einfach war. Vieles hatte ich im Oktober schon gesehen und mit Kind ist man tatsächlich recht langsam. Auch wenn ich mehrmals gerügt wurde keinen Biggy mitgenommen zu haben (das wir sowas schon länger nicht mehr besitzen, weil meine 4-Jährige die Größe und das Gewicht eines Vollschulkindes hat, wurde ignoriert), so war es halt.
Also hat die eine Hälfte unserer kleinen Reisegruppe Sightseeing gemacht und die andere hat die Moldauinseln erkundet. Was im Sommer sowieso lustiger ist.
Erstens Kampa. Kampa gilt als der romantischste Platz von Prag. Es ist ein bisschen Italien, ein bisschen Hallstatt und es ist richtig, richtig schön. Es gibt auch ein Museum und viele Cafés, Restaurants und Tischerl, wo man sich auf ein Pivo niederlassen kann.
Dann gibt es da noch die „Střelecký ostrov“, die Schützeninsel. Man kann sie per Stufen oder Aufzug direkt von der Brücke Most Legij begehen. Hier liegen Gastro-Boote (die auch Euros nehmen, ich hab’s probiert) und es gibt einen genialen Aussichtspunkt auf die Karlsbrücke an der Spitze der Insel. Wir haben dort ein paar Stunden verbracht. Liegend in der Wiese, ein Fanta schlürfend.

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London mitten in Prag:
Spielzeugparadies Hamleys.

Fast ein bisschen zufällig haben wir Hamleys entdeckt. Wer Kinder hat oder nie erwachen geworden ist, kennt dieses Paradies. Und wenn’s nur aus abenteuerlichen Erzählungen ist. Typisch für Hamleys sind das lebensgroßes Karussell, die Rutschen durch das mehrstöckige Geschäft und die vielen Spielstationen mitten im Shop. Man weiß nie ob man auf einem überdimensionalen Kinderzimmer oder in einem Store ist. Wenn mal wieder ein Spielzeugflieger überraschend einen Looping vor der eigenen Nase dreht, fragt man sich: Träum ich gerade?
Weil ich sowohl Kinder habe und darüberhinaus nie erwachsen geworden bin, haben wir dort Stunden verbracht und beim Rausgehen meine Kreditkarte zum Leuchten gebracht.
Also wer mal nach Prag kommt: Na prikope 854/14Prag 110 00, Tschechien
Google veranschlagt die Aufenthaltsdauer übrigens mit 2-3 Stunden 😉

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Prag bei Nacht
Abends haben wir uns eine Bootstour mit Buffet und Special Price andrehen lassen.
Unser Concierge im Admiral hatte da wohl Special Beziehungen.
Ich will mich nicht beschweren: Die Fahrt hat gehalten, was der Typ an der Rezeption versprochen hat. Es war ein lauer Sommerabend, nahezu Vollmond, das Buffet hat uns satt gemacht und die Drinks gingen aufs Haus.
Das Beste: Diese Bootsfahrt haben wir sogar ohne Fauchen und Streiten verbracht. Es gibt also noch Hoffnung für meinen Bruder und mich. Auch wenn ich einen gemeinsamen Urlaub für uns künftig eher ausschließe.

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*Falls jemand fragt: Der Beitrag ist WERBEFREI. Alles selbst bezahlt. Nichts geschenkt bekommen. 

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