Der Abnabelungsprozess des Kindes gemessen in Freibad-Saisonen.

Jahrelang war ich mir nicht sicher, ob er nicht lieber wieder zurückkriechen wolle. Mein erstes Kind wich kaum von meiner Seite. Tags, nachts, je mehr Berührungspunkte wir hatten, desto mehr konnte er sich entspannen.

Beim ersten Kind hat man ja keine Ahnung. Ich sah ihn schon als 16-Jährigen, wie er mit seiner Mama ins Theater geht. (Nicht dass seine Mama das übermäßig tat oder heute macht, aber damals war die Zukunft sooo weit weg und die Fantasie treibt seltsame Blüten.) Unser Nahverhältnis begleitete uns auf allen Wegen. Auch auf jenem ins Freibad. Er teilten uns dieselben Koordinaten.

Ihr ahnt es vielleicht: Die Theaterfantasien wurden schnell im Keim erstickt. Er war gerade mal 100 cm groß, suchte er sich Freunde in seinem Alter. Im Freibad wichen unsere Koordinaten erstmals minimal ab. Die Handtücher von seinem besten Freund und ihm lagen strickt neben (!!) unserer Decke. Wahrscheinlich haben sie sich anfangs noch berührt, aber ein erstes, sanftes Entfernen war nicht zu leugnen.

In den kommenden Saisonen rutschte das Handtuch immer weiter weg, als würde er auf einer Parkbank neben einem Menschen sitzen, der’s mit Hygiene und Genussmittel nicht allzu ernst nimmt. 

Dann kam der Tag, da hat er sich einen Platz am anderen Ende des Freibads gesucht. Mit Freunden, die ich nicht kenne.

Solange er sich nicht ein anderes Freibad sucht, bin ich noch ganz glücklich. Aber er wird groß. Sehr groß. 

(Das zweite Kind teilt sich übrigens noch gern die Decke mit mir. Fragt sich nur wie lange…)

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