Kein Muh, kein Mäh.

Da lebt man Tür an Tür, Haus an Haus, Leben an Leben. Die Kinder gehen zur selben Schule, samstags im Supermarkt wird man von derselben Wurstfachverkäuferin bedient. Unsere Autos parken dicht beieinander, unsere Wohnzimmer trennt nur eine Wand. Im Sommer, wenn wir alle draußen sitzen und mit unseren Freunden Kaffee trinken, weht ein warmes Lüftchen die Gespräche des jeweils anderen auf die Terrasse. Man könnte meinen, wir seien uns vertraut. Und doch passiert etwas unerhört Seltsames, wenn wir vor die Haustüre treten und einer der Nachbarn tun in diesem Augenblick dasselbe: nichts.

Bemüht blickt mein Gegenüber nach unten, oben oder fängt ganz plötzlich an, sich in eine Handtasche oder einen Busch zu vertiefen. Mein Nichtgesprächspartner muss Zeuge eines seltsamen Ereignisses werden, so wie er den Busch ansieht. Diese Menschen tun alles, nur um eines nicht tun zu müssen – einfach „Hallo“ zu sagen.
Die besonders Dreisten schauen nicht einmal mehr weg, während sie mir den Gruß verweigern. Die Oberdreisten pressen ihre Lippen selbst dann zusammen, wenn ich einen zweiten Versuch starte und dabei noch lauter „Guten Tag“ sage. Kein Muh, kein Mäh. Verdattert bleibe ich zurück. Hallooooo? Hab ich was verpasst? Ist Höflichkeit überholt? Oder leben nur zufällig gleich mehrere dieser Grußabstinenzler in meiner unmittelbaren Nachbarschaft?

4 Gedanken zu “Kein Muh, kein Mäh.

  1. Ein lautes „Guten Morgen“ von mir! (oder schon fast: „Mahlzeit“)
    Schade ist das Wort das mir einfällt. Ich hab ein Faible für Höflichkeit. Auch bei Nachbarn – oder besonders bei denen.
    Wir wohnen ja in ähnlicher Umgebung wie ihr. Bei uns ist der veraltete (?) Wert zum Glück noch en Vogue.
    Ich freu mich darauf, euch zu grüßen (bei diversen sportlichen Vereinen)!
    Alles Liebe,
    Tanja

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    1. Liebe Tanja, ein ebenso deutliches und fröhliches „Schön, dich zu lesen retour“. Scheinbar haben wir wohl wirklich nur Pech mit ein paar unserer Umgebungsmenschen hier. Gut, dass es nicht allen so geht. Diese Gegend ist nämlich grundsätzlich freundlich und herzlich.
      Bis zum nächsten Mal zwischen Reck und Matte ;-))
      LG, Leni

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  2. 😀 Uns gings damals in der „Stadt“ auch so… musst noch weiter aufs Land ziehen! 😉 Wenn ich zum Bus will, muss ich mind. ne Viertel Stunde vorher weggehen, weil ich bestimmt ein paar Nachbarn treffe und jeder ein paar Worte plaudern will 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Das klingt sehr nett <3, mit einigen Menschen erlebe ich das hier zum Glück auch. Leider nicht mit allen. Wie gesagt. Ist aber wohl einfach Pech 😉
      Hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder, ob zufällig oder ausgemacht. Ich tät mich freuen auch den zweite Nachwüchsin kennenzulernen 🙂

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