Konzentration. Mein Vor-Internet-Gehirn wusste noch, wie das geht.

Mein Handy und mein Laptop erinnern mich an den Yorkshire Terrier im Haus schräg gegenüber. Er verbringt den halben Tag im Garten, mit einem Puls von 180 und kläfft sich die Stimmbänder wund. Könnte er Worte bellen, würde er wohl (völlig heiser versteht sich) schreien: „Herrchen! Herrchen! Hast du gesehen? Herrchen! Komm! Schau! Der Schmetterling! Da war einer. Herrchen! Das musst du dir – der Grashalm – hast du das gesehen – er hat sich bewegt! Herrchen!“
Er verkündet aufgeregt jedes Detail, das er wahrnimmt. Stuft jeden Furz als Jahrhundertereignis ein. Wie gesagt: Meine Devices sind ihm da ähnlich.

Nachricht auf WhatApp? „Kling, vibrier, leucht.“
Anruf? „Ring, riiiing, riiiing.“
Mobilanruf? „Düdeldi, vibrier, düdeldi, vibrier.“
Slack-Nachricht? „Piep, roter Kreis.“
Gmail-Email? „Vibrier (Watch), vibrier (Phone), leucht (Watch), leucht (Phone)
E-Mail? Benachrichtigung abgestellt – ha!

Jetzt, wo ich’s aufschreibe, kommt es mir gleich noch verrückter vor, dass ich soviel Ablenkung überhaupt zulasse. All meine Gedanken fühlen sich in letzter Zeit wie Seifenblasen an, von denen sich eine nach der anderen mit einem leisen „Päng“ vertschüsst. Dabei muss ich die WhatsApp oder das E-Mail nicht mal lesen, schon die Nachricht, dass eine neue Nachricht da ist, schikaniert meine Konzentration.
Mich in etwas richtig zu vertiefen ist ein Hochleistungssport geworden. Abends falle ich wie ein Stein ins Bett.

Als ich am Sonntag Herrn Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek in einem Ö1 Gedankenaustausch zuhöre, nicke ich mehrmals heftig. Er sagt zum Beispiel, dass immer, wenn uns eine Nachricht ablenkt und wir aufs Handy schauen, unser Arbeitsspeicher im Gehirn für einen kurzen Augenblick leer ist. Das Hirn nutzt den Leerlauf um unangenehme Dinge (aufgeschobene Anrufe, lästige Protokolle, …) ins Bewusstsein zu schieben. Wir sind dann a) nich nur noch mehr abgelenkt sondern b) auch gleich noch schlecht gelaunt (wegen der lästigen ToDos). Und jetzt stelle man sich vor, das passiert nicht nur einmal am Tag, sondern ständig. Wir bekommen nicht nur nichts weiter, wir sind auch noch stinkig dabei. Und aus lauter Frust gehen wir Onlineschoppen oder essen einen über den Hunger.

Mann, mann, mann. Ich will hier ja nicht den Teufel an die Wand malen, aber dass das keine gesunde Entwicklung ist, haben wir ja alle irgendwie geahnt, oder?
Und dann noch diese Bedeutungslosigkeit. Der Gros der ach so wichtigen Benachrichtigen ist kaum relevant für mich. In der WhatsApp-Kindergartengruppe vermisst jemand ein blaues Freundschaftsbuch, ein E-Mail will mich mit 10 % Rabatt locken, mir neue Schuhe zu kaufen – aber nur bis Sonntag. Denn bereits am Montag flattert einer neuer 10 % Rabatt Gutschein in meinen Posteingang. In einem Slack-Channel rennt der Schmäh, nur ich müsste mich da leider bitte gerade auf ein Konzept konzentrieren …

Nun drängt sich die Frage auf: Wie soll es weitergehen?
Ich hätte, wenn ich ganz ehrlich bin, gerne meine Konzentration zurück. Meine Energie. Mein muckeliges Gefühl des Entspanntseins und meine amourösen Gefühle für echtes Nichtstun.

Der Junkie denkt ans Cleanwerden … Jaja, ich spiele mit dem Smarthphone-Detox-Gedanken. Wenn ich mir beispielhaft so einen Plan anschaue, möchte ich gleich Fingernägel kauen. (Reist the urge to look at your phone first thing in the morning. Really????) Andererseits ist es vielleicht die einzige Möglichkeit, meine Konzentration zurückzugewinnen.

Soll ich es versuchen?
Wie handhabt ihr diese ständige Präsenz von Ablenkung? Könnt ihr euch trotzdem konzentrieren? Oder habt ihr euer Smartphone schon im Klo versenkt?

(c) Bild ist von Google geborgt. Also wahrscheinlich nicht von Google direkt. Aber wenn man Smartphone-Detox googelt, kommt das.

Smartphone-Detox-2-1-1

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2 Gedanken zu “Konzentration. Mein Vor-Internet-Gehirn wusste noch, wie das geht.

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