Nicht schreibfaul. Eher schreibfeig.

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich in meinem Kopf nicht an Sätzen herumformuliere, die ich hier gerne notieren, reifen lassen und veröffentlichen würde. Hätte, würde, könnte. Die Tatsache ist: Am Ende passiert dann wieder nichts. Die spannenden Gedanken in meinem organischen Arbeitsspeicher zerbröseln. Kompostieren in meinem Gehirn. Dann wird Erde draus, aus denen neue Gedanken wachsen.

Naja. Ehrlicherweise sammeln sich da gut 50 Entwürfe in meinem Beitrags-Ordner. Lauter halbgare Texte. Als würde man halb verhungert Nudelwasser aufsetzen und dann lässt man das Wasser verdampfen. Weil einem der Hunger vergangen ist. Oder weil einem was dazwischenkam. Oder weil man gerade wieder versucht um den heißen Brei zu schreiben.
Seht ihr, ich mach es schon wieder.
Ich arbeite an einem weiteren Entwurfstext, der nur wieder zum Vergammeln verdammt ist.

Ha, du Text! Heute nicht! Heute stell ich dich fertig. Wirst schon sehen?
Glaubst du nicht? Ich werd’s dir schon zeigen!

Was sind das für Gedanken, die ich nicht fertigspinne?
Oftmals sind es sehr, sehr private Gedanken. So privat, dass ich sie lieber irgendwo am Computer speichere. Und nicht im Internet.
Manchmal sind sie auch gar nicht so privat. Aber mein Reflektieren wird schnell zu einem Lamentieren. Ich stelle alles Mögliche in Frage, umkreise das Problem lange, übertreibe maßlos und schlussendlich könnte sich jemand Sorgen machen. Was ich nich will.
Oder die Gedanken sind einfach so wirr. Und ich will hier niemanden langweilen.

Da ist zum Beispiel dieser Text über das Sterben.
Er trägt den Titel „Ein Sterbenswörtchen“.
Er erzählt von einem Begräbnis, das mich aus der Bahn geworfen hat. Für Beerdigungen fehlt mir einfach die Routine. Ich vom Schicksal bemuttertes Ding. Nach der Trauerfeier fühlte ich mich seltsam traumarisiert. Seltsam, weil ich nicht mit der Wucht der Trauer gerechnet hatte. Die Gedanken rund um Sterben, Endlichkeit, Angst, Verlust und Gewinn halten noch lange nach. Sie tun es noch immer.

Dann ist da der Text, der heißt: „Elternsprechtag. Wie es wirklich ist.“
Der geht so:
Offiziell geht es um dein Kind. Aber es geht auch um dich.
Nachdem du aufgerufen wirst, nimmst du auf einem kleinen Stuhl in einem großen Klassenzimmer Platz. Der Professor oder die Professorin fahren mit dem Finger eine Liste runter, gleich bei „F“ haben sie dich.
Dann holst du dir dein mündliches Zeugnis darüber ab, wo du als Mutter/Vater ganz gut warst und wo du auf voller Linie versagt hast.
Du fängst zu schwitzen an, als du dem Klassenvorstand beichten musst, dass du von Gleichungen mit Brüchen noch weniger Ahnung hast als dein Kind. Dafür bekommst du Pipi in den Augen, als die andere Professorin deinen Nachwuchs als Sprachtalent beschreibt.
Du gehst an diesem Nachmittag durch ein Wechselbad der Gefühle.

Siehst du, Text.
Ich hab ja gesagt, dieser Punkt geht an mich. Ich veröffentliche dich jetzt. Ungeachtet der Wirrheit der Inhalte. Ungeachtet der Tatsache, dass alle nur halbgar ist.

 

Advertisements