Als wir einmal eine IKEA Küche bauten.

Wenn, dann unbezahlte Werbung, genannte Marke wurde durch Fantasienamen ersetzt. Alles selbst bezahlt, selbst erlebt und selbst eigene Gedanken gemacht.

Es war Montag Morgen. Ich saß mit Dreck unter den Fingernägeln und einem alten Pulli im Büro. Seit vier Tagen bauten wir unsere neue Küche auf. Ich hatte in diesem Zeitraum keine Zeit zum Essen, keine zum Wäschewaschen und keine Zeit optimistisch zu sein. Diese Einleitung hat keine Pointe.

Spoiler-Alarm: Mittlerweile steht unsere Küche. Und sie ist grandios. Wie es dazu kam, ist eine längere Geschichte. Eigentlich eine gute Geschichte. Nur hätten wir vielleicht einfach den handwerklichen Teil einem Fachmann überlassen sollen. Selfmademen spielen ist löblich, aber nicht bei einer Küche mit 4 Laufmetern, 4 Ecken und raffinierten Manövern.
Ein Recap.

DIE VORGESCHICHTE:
Kurz nachdem mein Mann und ich uns kennenlernten, zogen wir zusammen. Kurz nachdem wir zusammenzogen, zogen wir um. In eine Wohnung ohne Küche.
Wir waren jung, unbeschwert und angenehm anspruchslos. Ich ging an einem freien Freitag Nachmittag in ein Möbelhaus, bestellte im Alleingang eine günstige Küche mit Montage. Die Küche wurde ratzfatz aufgebaut und alles war gut.
Später zogen wir um, die Küche nahmen wir mit. Wir sagten uns damals: Wenn wir mal etwas Geld übrig haben, besorgen wir uns eine „ordentliche Küche“. Solche Vorhaben sind gefährlich. Der Termin der Umsetzung war mehr als vage.
11 Jahre zogen ins Land bis wir das Projekt angingen.

Wer so lange wartet, will danach die perfekte Küche.
Mein Mann recherchierte alle Marken durch, ich steuerte jeweils meinen Senf bei. Ein weiteres Jahr verging bis wir uns auf einen Hersteller unseres Vertrauens einigten: IDEA.
Zu unserer Verteidigung: Wir haben in diesem Jahr auch andere Dinge um die Ohren als die neue Küche.

DIE EIGENTLICHE GESCHICHTE.
Die Chronik unserer IDEA-Selfmade-Küche:

Vorarbeit bis und am Donnerstag, als die Lieferung* kam:
Ausmisten, Verlagern des gesamten Inhalts der Küche in den Keller, alte Küche abbauen.
Abkleben, alte Bohrlöcher und Beschädigungen zuspachteln und ausmalen.

Donnerstag Mittag:
Eine Spedition liefert 1,2 Tonnen Küche, verpackt in gefühlte 100 Verpackungskartons. Die Lieferung füllt unser Wohn- und Esszimmer. Innerhalb von nicht mal einer Stunde verwandelte sich unser Zuhause in ein IDEA-Lager. Wenn jemand etwas sucht, hat er einfach Pech gehabt. Den Weg zu unserem Kaninchen musste ich mir zur Fütterungszeit mühsam freilegen. Zudem blockieren ein Kühlschrank, ein Gefrierschrank und ein Backrohr die Sicht auf den Fernseher. Egal. Zeit zum Fernsehen hat an diesem Abend keiner. Um Platz zu gewinnen haben wir den alten Kühlschrank am selben Tag via Onlineflohmarkt verkauft und abholen lassen. Den Inhalt packten wir ins Gartenhaus – es war Februar und hatte Temperaturen um die 0 Grad. Wie hatten an diesem Abend noch ernsthaft geglaubt, am nächsten Tag wurde die Küche samt neuem Kühlschrank stehen.
Hahahahhahaahysterischeslachen.

Über den exakten Inhalt der 100 Pakete schweigen sich die klingenden Namen à la Kulinarisk, Kangsbacka und Metod aus. Wir wusste gerade noch, in welchen Paketen sich Korpus (Mehrzahl: Korpi?), Laden und die Spüle versteckten. Den Rest fanden wir erst nach dem Auspacken heraus.
Ein –  ich nenne es mal – Problem bei IDEA Küchen ist, dass es keine Gesamt-Anleitung für den Aufbau gibt. Man hat den 3D-Plan der Küche, wie sie mal aussehen soll und tolle Anleitungen für die einzelnen Teile. Sprich für jede Lade oder den Korpus vom Hochschrank. In unserer Küche sind Laden in mind. 5 verschiedenen Größen verbaut. Teilweise sind Laden in den Laden. Jaaa, bei IDEA gibt’s das. Ratet mal wie oft wir Laden umgebaut haben, ehe jede wirklich an der richtigen Position war? Wir mussten das im mühsamen Trial-and-Error-Verfahren rausfinden. Weil es keinen Masterplan gibt. Lieber IDEA, wenn du mich jetzt hörst, denkt mal über sowas nach. Vielleicht könnte man sich das was überlegen.

Nachmittags dann die Hiobsbotschaft vom Elektrofachhändler. Wir hatten einen Marken-Induktionsherd mit integriertem Dunstabzug bestellt. Variante: Flächenbündiges Einbaugerät. Das Gerät war zeitgleich mit der Küche gekommen, es gab nur ein großes Problem: Flächenbündig und Holzarbeitsplatte vertragen sich nicht. Wir hätten im Nu das Wasser drinnen und die Arbeitsplatte wäre fürn Hugo, klärte man uns auf. Eine Steinarbeitsplatte bräuchten wir.
Aha, dafür es jetzt aber zu spät. Und warum hat das keiner vorher erwähnt? Beim Kauf zum Beispiel????
Ich telefonierte mich am Nachmittag dämlich und fand heraus, dass es eine Notlösung gäbe: Epoxidharz. Damit ließe sich das Holz rund um das Einbaugerät dicht machen. Dauert nur und kostet was.

Das Nervenkorsett war zu diesem Zeitpunkt schon etwas dünn. Wir haben’s trotzdem gut ausdiskutiert und den Herd zurückgeschickt. Es gab das gleiche Gerät auch in einer nicht ganz bündigen Einbauvariante. Lieferzeit: 2 Wochen.
Was soll’s? Denn …

Donnerstag Abend:
Der Moment als uns klar wurde, dass wir an einem Tag nicht fertig werden würden.
Schwamm drüber, Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.

Freitag:
Der Tag, an dem uns klar wurde, dass wir auch noch das ganze Wochenende schrauben werden würden.

Dienstag:
Mittlerweile gaben wir’s auf uns auszumalen, wann wir fertig sein würden. Wir werkten einfach dahin. Untertags waren wir beide in der Arbeit, abends war die gesamte Familie an der Küche zugange. Wir ernährten uns entweder gar nicht oder aus kalten Fertiggerichten, die wir irgendwo zwischen den Kartons spachtelten. Zum Essengehen war keine Zeit. Wir verhielten uns wie Zombies und wollten einfach nur noch fertig werden.
Täglich schlug ich dem Mann vor: „Was, wenn wir jetzt einen Tischler anrufen und der macht das in eine paar Stunden?“ Er, jedesmal: „Nein! Ich will das jetzt selber schaffen.“

Tatsächlich. Nach 7 Tagen wurden wir mit dem Nötigsten fertig.
Wir hatten wieder einen Kühlschrank und ein Backrohr.

2 Wochen später:
Wir waren fertig. Sprich: Mit den Nerven am Ende, mit der Küche so halbwegs.
Es gab endlich wieder was zu essen.

Heute, X Monate später:
Silikonfugen fehlen immer noch. Das scheint so eine Art Lampen-Trauma zu werden. Irgendwann hängen die Kabeln 10 Jahre von der Decke – fällt dir nur nicht mehr auf.
Wir sind extrem gut im Anreißen neuer Projekt, aber extrem schlecht beim Fertigstellen.

Dennoch sind wir glücklich. Mit der Küche. Und damit, dass wir sie selbst geplant und selbst gebaut haben. Hat uns ans Paar echt zusammengeschweißt.

Wir haben übrigens keine Hängeschränke, damit der Raum größer wirkt. Saugeil sag ich euch.

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