Wien, Beauty, Sagmeister und Walsh.

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Schönheit. Was bedeutet dieser Begriff für dich? 
Welche Bilder entstehen da in deinem Kopf?
Welche Emotionen löst er aus?

Wenn ich an Schönheit denke, denke ich an mit Hilfe von Photoshop und Weichzeichnern erzeugte Bilder voll unrealistischer Symmetrie und Makellosigkeit. Etwas, das 5 % Verzückung und 95 % Unbehagen auslöst. Perfekte Bilder von idealproportionierten Menschen auf sonnigen Traumstränden erinnern meist daran, dass es bei einem selbst gerade anders aussieht. Ein Gefühl, dass alles andere als schön ist.
Und dann denke ich an Dove und wahre Schönheit und wie die Marke seit Jahren versucht das Natürliche als das Schöne zu positionieren. Ich begrüße das wirklich sehr. Gleichzeitig fühlt es sich nicht so an, als wäre unsere Gesellschaft schon so weit. Natürlichkeit ist keineswegs das geltende Schönheitsideal. Geht doch mal bitte raus auf die Straße. Oder geht auf Instagram.
Manchmal sage ich „Schön, dass es dir gut geht“, „Schön dich zu sehen“ oder wünsche ein „schönes Wochenende“. Dann setze ich schön mit gut gleich. Schön = gut. So wie der Tag in Wien, der war schön.
Schön …
Was ist das eigentlich?
Wann ist etwas schön?
Gibt es ein Regelwerk für Schönheit?

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh definieren es so:

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Sagmeister & Walsh sind zwei Schöngeister, die sich schon mehr als ihr halbes Leben mit Schönheit, Ästhetik und Gestaltung beschäftigen. Die Designer widmen sich in der Ausstellung Beauty (läuft derzeit im MAK in Wien) der Schönheit. Was schön ist, was nicht schön ist, was Schönheit bewirkt und wann Dinge aufgehört haben schön zu sein.

Eine Kernbotschaft der Ausstellung lautet, dass Schönheit in unserem Jahrhundert massiv an Bedeutung verloren hat. Zum ersten Mal seit Menschengedenken habe der praktische Nutzen Neunzehnhundertirgendwann die Schönheit abgelöst. Seitdem sei vieles trostlos: Architektur, Städte, Alltagsgegenstände. Obwohl als erwiesen gelte, das schönes Design Menschen glücklicher und gesünder macht.
Darüberhinaus tut sich das Schöne leichter seinen Zweck zu erfüllen. ‚Form follows function‘ sei zu kurz gedacht.

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Als hätten die beiden Weltkriege die Schönheit in der Literatur ausgelöscht.

Jahrhunderte lang war Schönheit eine Obsession. Gemälde, Fresken, alles sollte perfekt schön sein. Künstler und Bauherren haben sich dafür sehr viel Zeit genommen. Gebäude waren schmucke Palästchen, mit Türmchen, Ornamenten, Stuck, Intarsien und Verzierungen. Dann kam der Bauhaus-Stil.
Architektur sieht heute auf der ganzen Welt einheitlich aus. Denkt man an Flughäfen, Bahnhöfe und die Wolkenkratzer-Viertel der großen Städte. Ob man in Tokio, London oder New York ist erkennt man gar nicht mehr so genau – zumindest nicht an den Gebäuden.
Für mich persönlich geht das Abhandenkommen der Schönheit Hand in Hand mit unserem Drang alles optimieren und effizienter gestalten zu wollen. Die Wirtschaft drängt darauf, Produkte immer noch schneller, noch günstiger und noch automatisierter herzustellen. Das Schöne hat da keinen Platz und am ersten Blick keinen Auftrag. Wie lässt es sich sonst erklären, dass sozialer Wohnbau zwar vielen Familien günstigen Wohnraum zur Verfügung stellt, aber ein schönes Leben stellt man sich doch anders vor.
Oder dass viele Websites und Programme zwar funktionell, aber wahnwitzig schönbefreit sind. Effizienz ist wie schneller Sex: Ich komme zwar schnell zur Sache, aber so richtig Spaß macht es nicht.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters heißt es.
Vielleicht redet der Spruch nur schön, dass vieles einfallslos und kühl ist.
Beauty von Sagmeister & Walsh ist ein Plädoyer für mehr Schönheit.
Ein schönes natürlich.

Noch bis 31. März 2019 im MAK, Museum für Angewandte Kunst in Wien.

 

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