Landesgarten.

Der Blick aus dem Zugfenster: wie hingemalt. Die große Mühl, die mehr steht als fließt. Als wolle sie zur Langsamkeit ermahnen. An ihren Ufern mal gelbe Blüten-Sippschaften, mal romantisch-gealterte Zillen, Häuser – nur wenige – Granit und lichte Wäldchen. Die Regionalbahn schlängelt sich einspurig durch die Landschaft, betont langsam, als wolle sie einem Zeit zum Staunen lassen.

Das eigentliche Ziel erwartet uns 1,5 Stunden nach Aufbruch. Wir steigen aus der Bahn, der Schaffner winkt aus zum Abschied aus dem Zugführerfenster. Wir sind ins Mühlviertel raufgekommen. Aber ich bin bereits nach der Anfahrt runtergekommen.

Unser Ziel: Aigen-Schlägl. Wo Chorherren seit hunderten Jahren Bier brauen. Wo ich Mitte Zwanzig in einem Fass in deren Keller versumpft bin. Andere Geschichte. Heute sind wir wegen der Landesgartenschau hier. Falls du mitliest, Google, der Titel lautet Bio.Garten.Eden., aber ich habe kein Geld für die Namensnennung bekommen. Damit hätten wir das geklärt.

Ich frage mich, wer mitten im sanften grünen Hügelland einen Garten braucht. Das ist doch wie ein Schwimmbad ins Meer zu bauen. Doch schon nach wenigen Metern kommt mir die Wiese hier grüner und die Sonnenblumen höher vor. Mit viel, viel Liebe zum Detail und einem erfrischenden Sinn für milden Humor ist hier die Natur gezähmt und in Ausstellungsformat gebracht worden.

Auf 15 ha gedeihen unter anderem ein Kinder-Garten mit Trampolin und Marterpfahl, ein beneidenswerter Dink*-Garten (*Double Income No Kids) mit fancy Schwimmteich und ein Inselgarten an der Mühl.

Ein Hopfenschwerpunkt ist angesichts dem Gastgeber wenig überraschend. Im Männer-Hochbeet sprießen Bierflaschen, gefüllt mit Grundzutaten für den Gerstensaft, aus dem Boden. Manche würden sich an dieser Stelle wohl lieber ein kühles Endergebnis pflücken. Immerhin sind wir zu diesem Zeitpunkt schon fast 3 Stunden unterwegs. Schaukelnd, staunend, schauend, spielend, entdeckend, rastend.

Wir beobachten ein Pärchen, das auf zwei der gemütlichen Liegenstühlen unter den etlichen natürlichen Baumschatten tatsächlich eingeschlafen ist.

Alle Lebewesen, die sich hierher verirren, können sich glücklich schätzen. Es ist herrlich. Schmetterling wie Käfer, Biene wie Wespe, Mensch wie Vogerl.

Wir fragen uns, ob das nicht maßlose Verschwendung ist, so ein Paradies für gerade mal wenige Monate Ausstellungszeitraum zu erschaffen und danach sich selbst zu überlassen. Dann erfahren wir, dass das Meiste für die Leute aus der Region erhalten bleiben wird. Wir freuen uns. Für sie und überhaupt.

Als wir morgens ankamen, lag noch Morgentau auf der Wiese. Mittlerweile war es Nachmittag geworden. Die Sonne heizte ganz ordentlich, wenn sie es für ein paar Minuten durch die Wolken schaffte. Unsere Beine waren schon angenehm müde, die Augen und Sinne gefüllt. Zufrieden kehrten wir zum Bahnhof zurück. Kurz darauf ertönte das Signalhorn hinter der Kurve. Die Bahn nahm uns zurück in die Stadt. Große Mühl, gelbe Blüten, Zillen, Wälder, Grün und Hügel, die ausliefen und in einer Ebene mündeten. Donau, Stadteinfahrt, Menschen, Lärm, Autos.

Wir waren zurück. Was für ein schöner Ausflug ins Paradies.

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