Corona Staycation // Der Samstag vom Wochenende

Freitag Mittag packte ich Laptop und Netztwerkkabel hastig zusammen und stürme spät dran aus dem Büro. Niemand sonst würde meine Tochter heute von der Schule abholen bzw. daheim in Empfang nehmen können – meine Eltern zählen zur Risikogruppe, meine Schwiegermutter liegt mit Wasser in Herz und Lunge im Krankenhaus.

Beim Autofahren höre ich eine Zoom-Konferenz mit 40 Kollegen zur aktuellen Lage (mitreden ist unmöglich, ich sitze immerhin am Steuer), zuhause warten schon die Kinder vor der Haustür. Die Zoom Konferenz läuft weiter. Ich denke an meinen Chef, der nur schwer nachvollziehbaren kann was es bedeutet, Kinder UND Job zu haben. Ich wünschte, wir könnten jetzt tauschen. Diese Seiltänze muss man erleben, um sie zu verstehen.

https://interactive.zeit.de/2020/starterkit/static/Corona-Piktogramme.bf9b4d09.pdf

Hamstern und horten.

Freitag Nachmittag erledige ich Einkäufe. Die Regale sind leer. In der Bank will man mir kein Geld geben. Sie hätten nicht mehr so viel Bares da, wegen Corona, die Leute seien panisch, sagt die Schaltermitarbeiterin. Ich schüttle mitfühlend den Kopf, plaudere ein wenig mit ihr und fahre wieder nach Hause.

Die Schwiegermutter gibt telefonisch Updates aus dem Krankenhaus durch. Ihre größte Sorge ist die Unfreundlichkeit des Internisten. Ich bin beruhigt. Solange sie sich aufregen kann, geht es ihr gut.

Abends verfolge ich die Ansprache von Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Fernsehen. Ich bin jedesmal gerührt wie schöne, besonnene Worte er für herausfordernde Situationen findet. Das habe ich letztes Jahr schon bewundert, als die Österreichische Politik an einer Ibiza-Reise zerbrach.

Überhaupt zeigt sich die Politik gerade von einer Schokoladenseite. Debatte und Streit scheint ausgesetzt, es wird zielstrebig (zusammen)gearbeitet. Find ich gut. Könnte so bleiben. (Wird es aber nicht.)

Samstag is going on.

Samstag beginnt früh. Das ist immer so. Ich habe Bauchkrämpfe und schnupfe vor mich hin. Der dritte Infekt in drei Monaten. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Tochter will sofort mit Schulaufgaben beginnen. Ich vertröste sie auf Montag, wir haben bald noch genug Zeit zum Lernen.

Heute Nachmittag möchten wir das Moped vom Sohn kaufen/abholen. Er hat gestern der Führerschein geschafft und bekommen. Bin gespannt, ob das ‚in Zeiten wie diesen‘ klappt. Am Montag hat ja dann alles zu. Zulassungsstellen bestimmt auch. Es sind nun wirklich keine Geschäfte, die man zum Aufrechterhalten der Versorgung braucht. Aber ich verstehe auch den 15-Jährigen, der sein Moped nicht nur anschauen will. Aber er wird das schaffen.

Startet gut in den Tag. Ich schreibe später weiter wie der Tag noch läuft …

Hier gehts bald weiter.

UPDATE: Das Moped ist hier. Wir haben den Kauf ohne Händeschütteln und mit großem Sicherheitsabstand über die Bühne gebracht. Die Vorbesitzer-Schwestern haben noch ein Abschiedsfoto gemacht, jetzt steht es zuhause und der zukünftige Fahrer kann es die nächsten Wochen anschauen. Versicherung, Anmeldung, etc. muss und kann warten.

Die Straßen waren ausgestorben. Die Menschen halten sich brav an die Reduktion sozialer Kontakte. Die einzigen Leute, die man in der vorbeifahrenden Straßenbahn sitzen sah, waren alte. Die Risikogruppe fühlt sich offensichtlich wohl und sicher, jetzt, wo junge potenzielle Überträger daheim Kreuzworträtsel lösen.

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