Stell dir vor es ist Corona und keiner geht hin

Sonntag. Die Schwiegermutter darf ihr Zimmer im Krankenhaus nicht mehr verlassen. Die nächste Maßnahme nach dem allgemeinen Besuchsverbot. Sie macht Witzchen darüber. Wieder ein Zeichen, dass es ihr den Umständen entsprechend gut geht. Würde sie wirklich Angst haben, würde sie ganz still werden.

Auf andere Gedanken kommen. Im Garten wird es gerade Frühling und die Sonne scheint. Wir bleiben zuhause – in unserem grünen Wohnzimmer. Wir holen den Gartentisch aus dem Winterschlaf, spielen Federball und schaukeln. Das Kind freut sich ausgelassen und uns allen tut es gut, den Live-Ticker ohne uns tickern zu lassen. Fast ein normaler, schöner, erster zarter Frühlingssonntag.

Installing Homeoffice. Am Nachmittag checke ich meine Mails und die Nachrichten. Während ich den Bildschirm aus dem Büro hole, zieht eine Frau Minister ehemalige Zivildiener wieder zum Dienst ein – vorerst appelliert sie an die Freiwilligkeit. Der Bundeskanzler kündigt für morgen eine Nahezu-Ausgangssperre an. Ich komme mir zum ersten Mal vor wie im Krieg. Nur ohne Todesangst. Mit dem seltsam guten Gefühl, dass alle Menschen solidarisch gegen einen gemeinsamen Feind vorgehen: das Virus.

Keine Termine und leicht einen sitzen

… so definierte Harald Juhnke sein Glück. Ich fände es derart vermessen, jetzt von Glück zu sprechen, aber wir versuchen das Beste aus allem zu machen. Gut, es hat noch nicht mal richtig angefangen. Jetzt finden wir’s vielleicht noch schön als Familie aufeinander zu kleben, 20 Runden UNO, 3-mal Lotti Karotti und 5-mal Würfel Ligretto zu spielen und danach zu basteln und auf der Couch zu kuscheln. Im Moment ist es noch auszuhalten, dem Kind das Spielen mit anderen Kindern auszureden und vom anschließenden Protest abzulenken. Aber wie wird das in zwei, drei Tagen sein? Ende der Woche? Wie wird es zu Ostern gehen? Schlagen wir uns im Lagerkoller bereits die Köpfe ein? Denken wie an Adoption und Scheidung?

Ohne Schmäh. Wir haben noch keine Muster für ein Leben mit so vielen Einschränkungen entwickelt. Wir wissen nicht, wie es uns gehen wird oder wie wir regieren werden.

Psychologen sprechen davon, dass es Stress für uns und unser Immunsystem bedeuten kann, wenn wir isoliert sind. ‚Augenkontakt reduziert Stress‘, heißt es. Wir videotelefonieren seit heute mit den Großeltern – vor allem um ihren Stress zu reduzieren. Sie vermissen die Enkelkinder und langweilen sich ein bisschen.

Wir werden alle erleben, wie‘s weitergeht.

Stay at home. Stay well.

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