Tag 10 #staythefuckhome: Eine kurze Talfahrt.

Heute Morgen war das so: Ich kann ab 5.30 endgültig nicht mehr schlafen. Stehe auf, trinke Kaffee. Bemerke den Sohn auf der Couch schlafen. Hat bis 5 kein Auge zu getan. Er ist nicht ausgelastet.

Wir reden, dann checke ich die News, dann wacht die Tochter auf. Es gibt Frühstück und Gespräche. Dann mache ich mich fürs Büro Schrägstrich Homeoffice fertig. Ich versuche den Mann erst sanft zu wecken. Mit einem Kuss. Er bewegt sich nicht, also lasse ich die Schlafzimmertür offen.

Ich werde mit einem Tobsuchtsanfall des Mannes aus der guten Laune gerissen. An Tag 10 will er wohl nicht mehr wahrhaben, dass das hier kein Urlaub, sondern ein anderer Alltag ist. Ich muss arbeiten, ich habe Deadlines. Ich homeoffice nicht zu meinem Zeitvertreib. Er beschimpft meinen Job und wirft mir vor, dass Werbung jetzt nicht lebensnotwendig sei.

Ist es tatsächlich nicht. Aber das war es auch vor Corona nicht. Falscher Zeitpunkt, um über die Sinnhaftkeit meines Berufs zu streiten, sag ich.

Während ich Home, Office und einen Großteil der Kinderbespielung mache, macht er ein böses Gesicht. Ganz toll. Ich hoffe, er hat einfach nur einen Durchhänger und der ist morgen wieder vorbei.

Me, untypisch relaxed.

Letzten Freitag hätt ich wetten können, spätestens am Dienstag bin ich durch. Ich sah mich die Wände hochgehen, verrückt werde und schreien. Die Wahrheit überrascht mich: ich sehe konsequent das Gute. Arbeite konzentriert, verhalte mich diszipliniert. Nach dieser Isolation werde ich durchdrehen, vor Erleichterung, das spüre ich. Aber vielleicht wird alles ganz anders. Ich wage es nicht zu prophezeien.

What made my day.

Handgeschriebene Zeilen in einem Päckchen. Zuversichtliche Worte und zwei Origami-Häschen für meine Häschen. Post ist heute sowas wie ein überraschend hergestellter Draht zur Außenwelt. Eine gelungene Abwechslung im Isolations-Alltag und die Gewissheit: da denkt jemand an mich.

Ich habe begonnen Briefe zu schreiben. Wer mir auf Instagram eine Nachricht schickt mit seiner Adresse bekommt Post von der Schreibmaschine. Für jeden einen individuellen Brief. Es macht Spaß. Und ich hoffe, das Lesen macht ebenso viel Freude wie das Schreiben.

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