Was liest du gerade?

Lustigerweise hat mich Lesen lange irre gernervt. Obwohl ich schon als Kind gern geschrieben habe, habe ich nie gern gelesen. Das kam erst mit … 20? Oder 30? Jedenfalls spät. Ich hab einfach nie die richtigen Bücher gefunden. Ich bin tatsächlich kritisch, was Schreibstile angeht. Wenn ich mich beim Lesen plage oder langweile, kommt das Buch weg. Ich lese nichts fertig, bei dem ich das Gefühl habe, ich bekomme für die investierte Zeit nichts zurück. Umgekehrt schätze ich sehr, was mich bereichert. Mein Mann schmunzelt oft, wie sehr ich mich an gelungenen Formulierungen erfreuen kann. Ich sammle herausragende Sätze in einem kleinen Buch. Und nahezu jedes Exemplar ist angestrichen und verfügt über Notizen. Ein Tick. Darum gehe ich auch nur ungern und die Bücherei – weil man die Bücher nicht anmarkern kann und mein eReader verstaubt. Aber hier kann man zumindest den digitalen Leuchtstift benutzen.

Covid-19-Leseliste

Die letzten Wochen und Monate waren anstrengend. Warum, wurde drölfmillionenfach durchgekaut. Ich habe mich abends verhältnismäßig oft in ein Buch geflüchtet. Mein Rausgehen in der Stayhome-Zeit. Meine absolutes Lieblingsbuch war von Joan Didion, Das Jahr des magischen Denkens.

Magisches Jahr.

Vielleicht nicht die Idealbesetzung für das erste Buch während einer Pandemie, aber gestorben wird immer. In diesem Fall Didions Mann. Überraschend und zuhause. Immer wieder kommt sie auf diesen Satz: „Man setzt sich zum Abendessen, und das Leben, das man kennt, hört auf. Ein Buch, das einem das Herz brechen könnte, aber erstaunlicherweise nährt jeder Satz das Herz und den Verstand. Ein Buch über das Leben, den Tod, die Liebe, die Ehe, das Hoffen, das Aushalten, das Weitermachen, das Erinnern und den Sinn.

Netflix: 0h, Lesen: stundenlang

Das seltsamste Kochbuch ever.

Shitty Gauda mit Ketchup oder das letzte Rezept für heute, 00:25. Dazu kein einziges Bild aber richtig feine Texte, die man nicht allzu ernst nehmen darf. 99 Solutions but 1 Problem ist das Covid-19-Kochbuch der Healthy Boy Band. Die sind wiederum eine Truppe junger Haubenköche mit nicht einmal mehr einem Hauch jener Allüren, welche für die Generation davor noch Pflichtprogramm war. Sogar eine Ischgl-Sauce ist dabei, um dieses Reizwort auch noch fallen zu lassen.

Ein Autor dessen vorauseilender Ruf mich abwechselnd gewundert hat und dann wieder gar nicht mehr ist Albert Camus. Wenn „ein aus Wasser und Sonne gemischter Himmel ein frischeres Licht auf den Platz goss“, dann ist Camus poetisch. Im nächsten Moment schreibt er fast ohne Gefühl, existenzialistisch eben. „Der Fremde“ ist eine Geschichte, die einem nicht so schnell loslässt. Diese Verurteilung ist in gewisser Weise aktueller denn je.

Home Office Survival Guide

Am Höhepunkt der Pandemie und am Tiefpunkt meiner Homeoffice-Karriere mit zwei schulpflichtigen Kindern und einem Mann zuhause erschien dieses Buch.

Anitra Eggler und ihren Stil kannte und mochte ich bereits. Manchmal weiß man nicht: Ist es noch Ratgeber oder schon Kabarett? Am Ende bleiben viele hilfreiche Tipps und Erfahrungen, die sich mühelos ins Homeoffice integrieren lassen. Ich hab jetzt beispielsweise noch mehr Deep Work Phasen. Empfehlenswert!

Und ihr so? Was war euer letztes Buch? Was lest ihr jetzt gerade?

8 Gedanken zu “Was liest du gerade?

  1. Abgesehen vom Qur’an, den ich jeden Tag lese (was für einen Durchschnittsmuslim jetzt nicht unbedingt ungewöhnlich ist) lese ich momentan kein Buch, dafür viel im Netz und genau wie du, bin ich wie ein kleines Kind im Supermarkt vor der Lieblingsschokolade, wenn ich einen gelungenen Satz entdecke, der wie Milka (Vorsicht: nichtbezahlte Werbung) auf der Zunge schmilzt.

    Ich notiere sie zwar nicht, diese linguistischen Schätze, aber ich erfreue mich für den kurzen Moment daran und bisher dachte ich, das wäre tatsächlich nur ein Tick von mir.

    Bücher habe ich früher regelrecht verschlungen und noch heute blättere ich lieber in Seiten aus Papier – wenn da nicht immer eines der Kinder meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden. Abends, wenn alles ruht, ist Lesen kaum noch umzusetzen, denn mein Hirn schaltet nach 5 Zeilen schon auf Stand By. Ich warte aber geduldig auf die Phase, wo alle in der Pubertät stecken und nichts mehr von mir wissen wollen – dann lese ich wieder mehr Bücher, hab ich mir selbst versprochen.

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  2. Fast schon Trivialliteratur, nämlich einen Ostsee- Krimi.
    Ausserdem liegen noch 2 Bücher von Juli Zeh auf meinem Nachttisch, ein angefangenes Buch über die Wackelzahnpubertät auf dem Sideboard und im Regal wartet noch eines über eine Deutsche, die nach Marokko auszog und Argan- Öl machte, auf mich.

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    1. Juli Zeh muss gut sein, ich hab schon so viel von ihr gehört. Leider mag ich Krimis nicht so gern, außer sie sind von Martin Suter 🙂
      Wackelzahnpubertät klingt aber spannend. Das heißt die 7-Jährige hier pubertiert vielleicht noch nicht richtig, sondern nur in einer Art Vorstufe?

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    2. Die Wackelzahnpubertät kann laut Buch vom 5. bis zum 8. Geburtstag gehen. Es geht um das Gespür für Veränderungen, um das Gefühl schon so viel zu können und doch noch immer noch ganz klein zu sein. Also Achterbahn wie in der Pubertät (allerdings ohne Hormone). Rezension kommt bald…

      Juli Zeh lief mit Unterleuten bei uns im zweiten Fernsehprogramm; in der Mediathek ist es vielleicht noch abrufbar. Verschickem lassen sich die Bücher allerdings auch gut – falls Du Interesse hast?

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  3. Ich gestehe, mein aktueller Lesestapel ist eher dürftig. Gelesen habe ich von Walter Moers – Die Stadt der Träumenden Bücher. Ich liebe dieses Buch – es katapuliert mich von einer Sekunde auf die nächste in ein anderes Universum. Und mein zweites Buch war von Madame Moneypenny aka Natascha Wegelin – Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können. Ich bin ein großer Fan des Madame Moneypenny Podcasts und über Geld und Finanzen zu lesen hat noch nie soviel Spaß gemacht wie mit diesem Buch.
    Und am allerliebsten gelesen habe ich Post aus dem Büro für Briefwechsel!

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    1. Die Stadt der Träumenden Bücher … oh, der Titel macht neugierig.
      Miss Moneypenny hab ich schon mal gehört – aber noch nie gelesen. Danke für die Tipps!

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