Erster letzter Schultag

Gestern hatten wir das „Zeugnisgespräch“, wie ich es nenne. Unsere Tochter wird ohne Noten beurteilt, deshalb erfahren wir Eltern einmal pro Semester von der Lehrerin, welche Fortschritte sie macht. Gestern war es umgekehrt. Wir informierten die Lehrerin über die Weiterentwicklung des Kindes. Sie Pädagogin hat dieses Halbjahr aus der Ferne wahrgenommen. Corona, ihr wisst ja.

Das Gespräch fühlte sich eigentlich an. Wir saßen auf viel zu kleinen Stühlen. Unbequem war auch die Stille im Gespräch. Wir, die wir gefühlt schon genug über die letzten Wochen gesprochen haben. Die Lehrerin, die ohnehin nicht viele Worte verliert. Die 7-Jährige füllte die Stille mit einem plätschernden Wörterbach. Sie redete von toten Ratten in Barcelona, ihren Pfadfinder-Abzeichen, vom Badesee und vom Knüpfen. Als würde sie kaschieren wollen, dass hier drei Erwachsene sitzen, die wohl wissen, dass dieses Jahr anders als geplant ist, aber es müßig sind, darüber zu reden.

Ich hatte mir den ersten letzten Schultag in ihrem Leben anders vorgestellt. An einem Freitag, statt schon am Mittwoch. Mit Kindern, die um 10.00 Uhr Vormittags aus dem Schulgebäude in die Ferien laufen. Schultasche in die Ecke pfeffern. Pizza mit der Family essen.

Jetzt ist eben alles anders. So wie seit Monaten alles anders ist. Wir haben uns ans Anderssein schon ein bisschen gewöhnt. Aber trotzdem. Corona spüren wir wieder ganz deutlich an diesem ersten letzten Schultag. Auch ohne infiziert zu sein.

We are all in this together.

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