Was ich heute fühle: Weltschmerz.

Der Tag heute schmeckte schal. Gestern hat ein Jugendlicher wahllos Menschen in der Wiener Innenstadt getötet und verletzt. Die Medien berichten seit kurz nach dem ersten Notruf live. Es gibt bereits Fotos einer Kranzniederlegung der Regierung am Tatort, zig Pressekonferenzen wurden abgehalten, Hashtags und Memes haben sich etabliert. Und das nicht mal 24 Stunden nach der Tat. Ich muss gestehen, ich bin gedanklich noch beim Lockdown II und bei Chemo IV meiner Mama. Mein Hirn schleift meine Seele von Katastrophe zu Katastrophe, ich habe das Gefühl, nicht mehr mitzukommen.

Müsste hier nicht Entsetzen sein? Mitgefühl? Solidarität? Fassungslosigkeit? Den großen Emotionen ist dumpfer Weltschmerz gewichen. Eine Patchworkdecke Schwermut, zusammengeflickt aus Pandemie, Terror, US-Wahl, Kapitalismus, Social Dilemma, Krankheit, Unberechenbarkeit, Distanz und allem möglichen Scheiß liegt schwer auf mir.

Wie schaltet man ab, wenn man Feierabend von 2020 machen will?

3 Gedanken zu “Was ich heute fühle: Weltschmerz.

  1. Mir hilft meine Religion, denn egal welch Übel auftritt: es hat einen Grund und sogar einen Sinn, der nicht immer gleich für uns erkennbar ist. Die Wahre Gerechtigkeit wird es in diesem Leben und auf dieser Welt nie geben (weil wir Menschen fehlbar sind, selbst wenn es um Gerechtigkeit geht). Ich glaube so fest daran, dass der ganze Stress um mich herum zu einem sich fortlaufenden Film ohne Pausetaste wird, den ich fließen lasse und selbst mich versuche nicht am Übel zusätzlich zu beteiligen.

    Ob dir das jetzt weiter hilft, weiß ich nicht, aber zumindest möchte ich dir sagen: du und ich und all die anderen nachdenkenden Menschen teilen gerade diese Stimmung und dürfen nicht das Hoffen aufgeben. Fühl dich umarmt von mir.

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  2. Liebe Leni,
    du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich gabe gerade das Gefühl ich sitz im Auto und die Bremse ist irgendwie nicht mehr da.

    Ich habe heute eine Mail mit diesen Zeilen bekommen, vielleicht helfen sie:
    Dennoch
    (inspiriert von Lewis Howes)

    Nicht alle Tage sind gut….
    Nicht jeder sagt die Wahrheit…
    Nicht jeder liebt dich auch…

    … lebe dennoch.
    … sei dennoch ehrlich.
    … liebe dennoch.

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Sonja! Das Bild mit dem Auto ohne Bremse trifft es sehr sehr gut.
      Genauso wie die Zeilen ❤
      Die Stoiker, um genau zu sein Epiktet, sagt man solle sich über alles, was man nicht ändern kann, denken: das geht nichts an.
      Klingt hart, aber er meint wohl sinngemäß ‚Nimm an, was du nicht ändern kannst‘

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