JahresrückKlick 2020

Über dieses Jahr ist bereits alles gesagt, oder? War es schon im April.
Es gab Tief und Tiefen und Höhen. Wie jedes Jahr drehe ich mich noch einmal um. Gemeinsam mit euch und den alten Fragen von Okka Rohd und anderen, neuen von mir.

Ein Moment aus 2020, den du dir aufheben wirst?

Die intensive Zeit mit der Familie im ersten Lockdown. Es gab nur uns vier und den Frühling. Ich glaube, sehr viele Menschen fühlten sich trotz Hausarrest so frei wie lange nicht. Diesen ersten Lockdown umgab die Aura von etwas Großem, etwas, das die Welt verändern würde. Vielleicht hat uns da die Psyche einen Streich gespielt. Eine Art Stockholm-Syndrom mit der Pandemie. Zumindest gab es diese Aura in den anderen Lockdowns nicht mehr.

Welche Entdeckung hast du in diesem Jahr gemacht?

Ich habe Orte in meiner direkten Umgebung entdeckt, die ich vorher nicht kannte. Das nur, weil wir wegen der Pandemie viel daheim bleiben mussten. Das hat den eigenen Aktionsradius verändert.

Was hast du über dich herausgefunden?

Dass ich, wenn’s sein muss, sehr wohl das Positive in allem sehen kann.

Worin bist du weitergekommen?

Ich bin persönlich und seelisch wieder ein Stück weitergekommen. 

Was hast du noch nicht geschafft? Was wirst du tun, um es zu schaffen – oder ist das schon in Ordnung so?

Ich habe schon wieder nicht zu studieren begonnen. Seit langem will ich nebenbei ein Studium machen. Aber dieses Nebenbei existiert gar nicht. Mein Leben ist bummvoll, daneben ist keine Sekunde mehr Platz. Das ist mir heuer klar geworden und ich habe meinen Frieden damit geschlossen, den Plan im Jahr 2020 zurückzulassen.

Ein Ort, den du dieses Jahr für dich entdeckt hast?

Ein Berg bzw. Hügel von dem aus man über Linz sieht. Genau genommen habe ich sogar zwei dieser Hügel für mich entdeckt. Sie waren in diesem Jahr meine Kraftplätze.

Worauf warst du stolz? Bei dir – bei anderen?

Stolz habe ich, wenn ich so darüber nachdenke, sehr selten gefühlt dieses Jahr. Es war kein Jahr für Stolz. Es ging um ganz andere Dinge.
Dennoch war ich privat stolz auf mich und uns, dass wir das Jahr als Familie – mit Homeschooling, Homeoffice, pflegebedürftigen Eltern, etc. so gut gemeistert haben. Und dennoch immer was zu Lachen hatten. Beruflich war ich einmal recht stolz auf mich. Und daheim, als ich meine schönen, regelmäßigen, gehäkelten Stäbchen gesehen habe. Stolz war ich auch, dass ich es geschafft habe, Ruhe zu bewahren – obwohl dieses Jahr einige Situationen zum Davonlaufen waren.

Wie geht´s deinem Körper? Und deinem Herzen?

Beiden geht recht gut so kurz vor 40, danke der Nachfrage.

Was (oder wen) hast du vermisst?

Ich habe Menschen brutal vermisst. Ich hatte einige Menschen häufig und intensiv um mich – andere dafür zu wenig. Einige hab ich aus Vorsicht nicht treffen und Drücken dürfen. Das hab ich lange verkraftet, aber jetzt spüre ich, dass es langsam genug ist.

Ich habe außerdem das Reisen und die Unbeschwertheit vermisst. So sehr wie ein Elefant in Porzellanladen hab ich selten gelebt.

Wenn du am 1. Januar so viel Geld gewinnen würdest, dass du ein ganzes Jahr nicht arbeiten müsstet und machen könntest, was immer du möchtest – was würdest du tun?

Ich würde mir eine kleine Wohnung in Piran nehmen oder in Paris. Und ich würde an einem kleinen Tisch mit Blick aufs Meer und das Treiben der Stadt ein Buch schreiben. Dazwischen würde ich barfuß durch die Altbauwohnung tanzen.

Was soll sich nächstes Jahr ändern?

Es soll wieder mehr echte Freizeit möglich sein. Mehr Umarmungen. Es soll wieder mehr menscheln.

Wenn 2020 ein Gebäude wäre, dann welches?

Ein einstürzendes Hochhaus.

Was hätte dir verdammt gerne so richtig am Arsch vorbeigehen dürfen (und tat es dann doch nicht)? Hast du eine Ahnung, warum diese Sache (oder dieser Mensch) so lange in dir herumrumort hat?

Krebs, Corona, Ungerechtigkeit, Moria,… das hätte mir am A. vorbeigehen können. Aber es hat mich eben doch sehr berührt.

Wenn du das Jahr auf eine Waage legst – links den ganzen Blödsinn, Ärger, die Enttäuschungen und Anstrengungen, rechts das Schöne, das Glück, die Freude und Zufriedenheit – zu welcher Seite würde sie sich neigen? Oder würde sich beides die Waage halten?

So seltsam es gerade heuer ist, wo so viel Käse passiert ist: das Positive überwiegt.
Wir leben und es geht uns gut. Wir haben alles: ein Dach über dem Kopf, viel Sicherheit, Unterstützung, Frieden, Versorgung, Liebe, Bildung, Möglichkeiten. 

Würdest du von 2020 gerne wiederholen?

Spazieren gehen.

Ein Plan für 2021?

Mein Plan ist, wie immer, keinen Plan zu haben. Nur zwei Dinge: Noch möglichst viel gute Zeit mit meiner schwerkranken Mama zu verbringen. Und im wieder Urlaub außerhalb von daheim zu machen. Das zweite ist ein ziemlicher Bobo-Luxus-Wunsch.

18) Der beste Rat dieses Jahr?

„Hallo, Kränkung, my friend“ … Nicht unbedingt ein Rat, aber lange ein Running Gag bei uns daheim. Der „Freund“ hat jeweils gewechselt.

Es hat immer geholfen, das auf den ersten Blick Problematische zu umarmen. Meist zeigte der Feind dann seine freundliche Seite.

Was rufst du 2020 zum Abschied nach?

Sorry, verwählt.

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