Jännerschnipsel

Wäre Jänner ein Monat, er wäre ein Jänner.
An diesem kalten, düsteren, naturgemäß ereignislosen Monat gibt’s wenig zu beschönigen. Er dient wahrscheinlich vor allem dem Durchatmen nach den Dezember-Feiertagen, so denke ich es mir jedenfalls. Sowie dem gemütlichen Einfinden ins neue Jahr. Als würden die Gäste langsam zu einer Veranstaltung eintrudeln. Dieser Jänner fiel außerdem vollständig auf einen Lockdown. Was den Monat noch gehemmter machte.

Frau Holle hat dem Jahresbeginn dann die Haut gerettet. Es hat geschneit.

Fast den gesamten Jänner über war es weiß. Während meine Augen über die Landschaft streichelten, musste ich oft an diesen Satz von Kahlil Gibran denken: Kindness is like snow. It beautifies everything it covers. 
Die daunige Schneedecke zieht den Frieden bis unters Kinn übers Land. Ich liebe das.

Ich habe des öfteren meine Bahnen auf meinen Langlaufskiern durch die Landschaft gezogen. Staunend, wie die weiße Decke verlässlich alle Geräusche schluckt und überhaupt alles besser macht.

Wenn ich nicht draußen war, war ich drinnen. 
Wechselnd zuhause und im Büro. Viel mehr ging ja nicht. Das Thema Schule war eines wackeligsten in diesem Monat. Hefte auf, Hefte zu – die Regierung hatte es nicht so mit klaren Ansagen. Statt der geplanten Schulöffnung, wurde Anfang/Mitte Jänner ein Covid-Test-Kit für Kinder angekündigt, welches aber unter unheilbaren Lieferschwierigkeiten litt. Geplant war, den Nasenbohrer-Test jeden Montag „als soziales Ereignis“ (Zitat Bildungsminister Heinz Faßmann) in den Klassen durchzuführen. Oder daheim, wenn Eltern es so lieber wollen. Soweit kam es aber nicht. Zumindest nicht im Jänner. Weil eben erstens die Tests nicht kamen. Und zweitens die meisten Kinder nicht. 

„Wir müssen die Personendichte in unseren Klassen deutlich reduzieren. Schicken Sie Ihr Kind nur dann, wenn es keine häusliche Betreuung gibt.“ Mit diesen Sätzen in einem Brief versuchte die Direktorin der Schule der Tochter im Lockdown bis zu den Semesterferien Druck zu machen. Es bleibt in den Wolken geschrieben, ob „häusliche Betreuung“ Homeoffice meint oder elterliche Tagesfreizeit. Beides, so hat die Regierung eigentlich mehrmals versichert, sind kein zwingender Grund, vom Betreuungsangebot ausgeschlossen zu sein. Nun stecken wir alle gemeinsam in einer Zwickmühle: Es gibt zwar Gesetze, aber auch „Empfehlungen“ der Regierung, die genau das Gegenteil behaupten. Jetzt werfen sich Direktoren, Minister, Eltern und Arbeitgeber die heiße Kohlen reihum zu und warten, wer zuerst den Hut auf dieses bescheuerte Spiel haut.

Wer wäre ich, hätte ich nicht auch wieder viel gelesen. Ungezähmt von Glennon Doyle. Vati von Monika Helfer. Draußen gehen von Christian Sauer. Ich habe noch mehr „angelesen“ (so wie „angespitzt“, also gerade einmal begonnen zu lesen), aber diese drei kann ich empfehlen. Übers Draußen gehen schreibt Sauer unter anderem: „Beim Gehen schüttelt sich körperlich und geistig vieles in uns zurecht. So einfach ist das.“
Bei diesem Satz stellte sich große Vermissung nach meinen Spaziergängen im Herbst ein. Wie ich einfach ging, stundenlang, und die Landschaft mich gerade rückte. Als sich meine Gedanken gut entspannen konnten und ich jedesmal als neuer Mensch heimkam. Nach gerade mal ein oder zwei oder fast drei Stunden gehen. Momentan ist es mir zu kalt zum Gehen. Ich muss die Geschwindigkeit erhöhen, damit mir warm bleibt. Also laufe ich.

Prepariert und repariert mein Inneres.
Hase mit „Unterbodenbeleuchtung“. So sagen wir zu Luzis weißem Bauchfell.

2 Gedanken zu “Jännerschnipsel

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