Ort gegen das Vergessen: Mauthausen Memorial.

Ich hab schon so viel über die Gräueltaten der Nazizeit gelernt, gelesen, gehört und in Filmen gesehen, dennoch bleibt es unvorstellbar. Mein Kopf will die Bilder zu dem, was man über das Morden und die Entmenschlichung erfährt, nicht nachmalen. Dennoch ist es wichtig, sich der Geschichte zu stellen. Gegen das Vergessen. Damit so etwas nie wieder passiert.

Ehemaliges KZ Mauthausen

Schon länger wollte ich das ehemalige Lager besuchen. Mir war wichtig es in aller Ruhe und alleine zu tun. Das ist nicht der richtige Ort für einen Familienausflug. Also keinen von der luftigen Sorte, mit Eis zwischendurch. Ein großteils verregneter Sonntag, an dem die Kinder bei Freunden und der Mann vorm der Formel 1 geparkt war, erschien mir perfekt.

Ich lud mir die Mauthausen Memorial App herunter, die einen wirklich gut gemachten Audioguide bietet. Mit diesem kann man das ehemalige Lager auf eigene Faust in ca. 1,5 bis 2 Stunden erkunden. 24 gekennzeichnete (Audio-)Stationen begleiten und erklären, was man sieht. Der Weg führt ein Stück außen herum, über den Eingang, den auch die Häftlinge passieren mussten, ins Lager, in einzelne Baracken, zu einem Massengrab bis zum Tötungsbereich. Fast durchgehend hatte ich weiche Knie, zweimal wurde mir übel.

Im ehemaligen Krankenhaus des Lagers, dass aber kaum Kranke tatsächlich behandelte, ist heute ein Museum. Darin kann man sich die Geschichte des Lagers – vom Bau bis zur Befreiung ansehen. Im Keller gibt es einen Raum der unzähligen Namen. Jeder Name ein unschuldiges Mordopfer. Ich habe mich beim Durchgehen gefragt, ob ein schneller Tod nicht erträglicher gewesen wäre, als die bestialische Folter in diesem KZ. Allein die Frage erschreckte mich.

Blick durchs Schlüsselloch in den „Bunker“, ein Gefängnis im Gefängnis.
Wie viele Menschen wohl an dieser Mauer hingerichtet wurden? Ich war dankbar, dass ich 2021 hier stand und nicht 1941.
Die Wachtürme machen heute noch ein unangenehmes Gefühl. Als hätte der Ort etwas von seinem Schrecken für immer angenommen.

Für Interessierte: Hier gehts zur Website der KZ Gedenkstätte Mauthausen. Der Besuch ist kostenlos. Der Audioguide über die App ist es ebenfalls.

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