Juli Zeh Liebe. Oder: Sätze, mit denen man schmusen will.

Sollte es so etwa wie einen ‚Late Adopter’ (als Nachzügler des ‚Early Adopters’) geben, dann bin ich das wohl. Ihre Bücher gibt es schon länger. Juli Zeh selbst sogar noch länger. Ich hab’s erst jetzt gemerkt. Unter den Deckeln ihrer Bücher stecken Geschichten, malerische Sätze, Ansichten, gesellschaftliche Beobachtungen und brandaktuelle Gedanken, die als Gesamtkunstwerk daherkommen. Juli Zeh geht unter die Haut. Sie macht sich in einem breit und man lässt sie freundlich gewähren.

Sie schreibt kluge Sätze wie „Was er aus der Gewissheit geworden, dass es keine absoluten Gewissheiten gibt, weshalb an allem gezweifelt, über alles gesprochen und gestritten werden muss?“ (aus Über Menschen). Oder „Auf einmal begreift Dora, was zwischen Eltern und Kindern ist. Da ist findet eine Liebe statt, so abgrundtief und grenzenlos, dass sie das Fassungsvermögen des Verstandes übersteigt. Auf der Rückseite dieser Liebe wohnt die Angst, einander zu verlieren. Ebenso grenzenlos, eben so abgrundtief. Das ist mehr, als ein Mensch ertragen kann.“ (ebenfalls aus Über Menschen)

Juli Zeh kann auch vollgesogene, saftige Sätze, in die man sich reinlegen möchte. Wie „in schrägen Balken lehnte das Licht an den Kiefern“ oder „feuchter Geruch, den der Keller heraufatmet“ (aus Über Menschen) oder „er sagt Wörter wie Statik, Schwerpunkt und Balance, Wörter, die im Mund ganz erwachsen schmecken“ (aus Neujahr). Sicher, ich bin da vielleicht speziell. Meine Tochter sagt manchmal, ich würde Worte sammeln. Und Sätze. Das stimmt wohl auch. Eine einzelne schöne Formulierung, die aus einem Buch heraussticht wie ein Edelstein in einem Haufen Glasscherben macht mich tatsächlich glücklich.

Ich weiß also, dass diese Frau schreiben kann. Recht viel mehr weiß ich nicht über sie. Also nicht mehr, als Wiki oder Seite 1 der Google Suchergebnisse auch wissen. Wer mag, schaut dort. Wer Bücher lesen will, weiß wo man Bücher bekommt. (Ich mache hier keine unbezahlte Werbung.)

Gerade habe ich mein drittes Buch der Autorin begonnen: Nach ‚Unter Menschen‘ und ‚Neujahr‘ ist es ‚Unterleuten‘.

Was lest ihr so? Beziehungsweise: wen lest ihr so?

Wenn ich ein Buch ausgelesen habe, schließe ich die Augen und lasse es wirken. Gute Geschichten habe ich noch tagelang umgehängt. Sie beschäftigen mich und stellen Fragen in meinem Kopf.

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