Herbstschnipsel.

Ich habe schon lange nicht mehr geschnipselt. Ich habe die letzten Monate gelebt, erlebt und überlebt. Die Monate sind nur so verflogen. Ich ließ mich treiben und die Monate über mich verfügen. Ziemlich plötzlich war dann einfach Herbst. In den Geschäften stapeln sich mittlerweile die Adventkalender. Für alle und alles. Und ich habe mich gefragt – was habe ich diesen Sommer eigentlich getan?

Die Trauerbubble.

Der Schock, dass meine Mamas (Mama und Schwiegermama mit enger Beziehung) innerhalb von nur 2 Tagen verstorben sind, ließ ziemlich genau 2 Monate nach den Toden nach. Mir war zwar immer klar, was passiert war, doch plötzlich tat es ungemein weh. Als wäre eine Kruste abgefallen und plötzlich blutet es wieder. Ich schlief schlecht. Schrieb schlecht. Lebte nur so halb.

Das ist wohl oder übel ein Teil des Weges. Diese Bergabfahrt nachdem der Schock, der dich in Watte gepackt hat, und dich nun schutzlos zurücklässt um zum nächsten Einsatz weiterzuziehen.

Das Wissen, dass auch wieder andere Wegstrecken kommen werden, ließ und lässt mich weitermachen. Zu Allerheiligen tippte ich meiner Mama einen Brief auf der Schreibmaschine, weinte mich leer und schaffte es endlich wieder an ihr Grab zu gehen. Ich bringe ihr Blumen und den Brief und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass sie mich nicht beobachtet, sondern in ein schwarzes Nichts gegangen ist. Für sie hat das Sein aufgehört. Sie hat ihre Ruhe.

Aber ich brauche sie noch ein bisschen. An ihrem Grab ist es, als käme ich sonntags am Nachmittag zu ihr, wir trinken Kaffee und ich erzähle ihr aus meinem Leben. Sie hört zu und hält zu mir. Egal worum es geht.

Ich erzähle ihr, dass etwas Tolles geschehen ist. Aber vor ihrem Grab kommt es mir unbedeutend vor.

Vitamin Sea.

Alles Wasser, das einem mit der Welt versöhnen kann, ist salzig: Schweiß, Tränen und das Meer. Im Juli gab‘s für uns ein Wiedersehen mit allen dreien. Nach guten 5 Stunden Autofahrt bin ich direkt ins Wasser gegangen und hab mich von den Wellen verschlucken lassen. Es war also eine richtig innige Umarmung. Wir hatten ausgesprochen feine Tage in Italien. Inklusive Kennenlernen einer Familie, mit der wir sofort auf einer Wellenlänge schwammen.

8,5ten Geburtstag feiern.

Corona hat die Dezemberparty vereitelt, also feierten wir im August Kindergeburtstag des Winterkindes. Eine ganz neue Erfahrung, an ihrem Geburtstag zu schwitzen. Naja, also diesmal halt auch vom Wetter. Ich hatte wie immer zuviele Süßigkeiten besorgt und mir zu viele Sorgen gemacht. Eigentlich war dann alles ganz okay. Bis auf eine kaputte Taucherbrille und ein Kind, dass bei einer Poolparty nicht ins Wasser wollte.

Wiedersehens.

Der Sommer hielt viele Begegnungen mit Menschen bereit, die ich corona- oder andersbedingt länger nicht gesehen hatte. Ich genoss die vertrauten Gesichter und guten Gespräche. Ich bin grundsätzlich nicht der Typ Mensch, der unbedingt viele Menschen um sich braucht, aber die Besonderen, die schätze ich sehr in meiner Nähe. Vor allem jetzt, wo meine Familie zusammengeschrumpft ist.

An der Donau zu leben kann ganz schön schön kitschig sein.

Nur so dasitzen und vor sich hinstarren.

Ja, wir hatten diese glücklichen Tage im Sommer ohne ToDos und Tamtams. Einfach nur hier sitzen, denken und vor sich hinschauen. Wir, insbesondere ich, hatten ein paar dieser kostbaren Momente. Ich habe jeden gebührend genossen.

Die Tage werden wieder dunkler.

Vitamin D, ade.

Im Oktober war dann nicht nur Halloween, sondern es endete kurz darauf die Sommerzeit. Konkret heißt das: Bereits um 18 Uhr bemerkt jemand, es müsse gefühlt doch schon nachts sein. Meine Energie geizt mit sich. Sie schwindet parallel zum Tageslicht. Nicht nur einmal habe ich Lust, mich zum Winterschlaf zurückzuziehen und erst im Frühling aus den Federn zu kriechen.

Die Realität verlangt aber mehr von mir. Ich versuche zu funktionieren, achte darauf, genügend Bewegung an der frischen Luft bei Tageslicht zu bekommen. Es gelingt mir nicht immer fresh und tatendrängend zu sein, aber es geht. Am Wochenende spannen mich die Kinder und Kinderfreundinnen gut ein. Wir gehen Kastaniensammeln, ins Hallenbad, in die Bibliothek, den Opa besuchen und vieles mehr.

Das große C.

Corona ist noch da.

Wir leben hier obendrein in Österreichs Bundesland mit der höchsten Inzidenz und den meisten Impfskeptikern. Darüber könnte ich mich ärgern, aber es würde nichts bringen. Mittlerweile stehe ich geschlossen Schulen, Lockdowns und 2G gelassen gegenüber. Wir haben die letzten 1,5 Jahre soviel gemeistert. Außer das Klimaproblem haut uns nichts mehr um, oder?

Hallo Wien.

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