Spielzeugmuseum Salzburg – das gigantische Kinderzimmer

Es heißt zwar Museum, tatsächlich ist es das ziemliche Gegenteil davon. Man darf (fast) alles angreifen, Ausstellungsstücke zerlegen, bespielen, auf Exponaten runterrutschen und laut sein. Im Grunde ist nur eines verpönt: erwachsen sein.

Zwei Wochen Weihnachtsferien liegen angebrochen vor uns und wie die meisten Österreicher:innen rechnen wir nur mit einer kurzen Pause bis zum nächsten Lockdown. Grüße an Omikron, an dieser Stelle. Wir brauchen zwischen den Jahren dringend einen Tapetenwechsel. Der Zug bringt uns hin.

Mozart hätte seine Gaudi gehabt.

In der weltberühmten Mozartstadt Salzburg gibt’s nicht nur Festspiele, Touristen und überteuerte Marzipan-Schoko-Kugeln, sondern auch ein großes Kinderzimmer, in dem alle willkommen sind. In der Bürgerspitalgasse 2  kann „der Mensch dort ganz Mensch sein, wo er spielt.“ So das Motto des Erlebnismuseums.

Gleich nach dem Bezahlen (der Eintritt ist lächerlich günstig) schnappen wir uns je eine große Murmel und schlüpfen in rosa und quietschgelbe Gästeschlapfen. Wir fühlen uns sofort wie zuhause und testen die Murmelbahnen. Im oberen Stock wechseln wir in den Tarnmodus und pirschen uns unerkannt in die Puppen- und Kaufmannsladenwelt. Das Kind gönnt mir kaum Zeit die Miniaturpuppenhäuser anno Vergangenheit zu bestaunen, die mich sehr an unseren Wichtel in der Weihnachtszeit erinnern. Sie will weiter, weiter, weiter. Zu den Kuscheltieren, den Spielfiguren und zum Kinder-Weihnachtsmarkt, in dem wir verkaufen spielen. Ich, das 40-jährige Kind, kann sich kaum losreißen. Doch oben wartet schon das Flaschenpostamt. Wir schreiben uns gegenseitig Messages in a bottle und erforschen dann die Pippi Langstrumpf Welt. Hier machen wir uns die Welt widdewiddewie sie uns gefällt. Nach einigen Kopfständen und Rutschpartien brauchen wir eine Jausenpause. An gemütliche Plätze dafür, hat das Museum freilich gedacht.

Nachdem wir alles einmal gesehen haben, ist die Neugier soweit beruhigt und wir widmen uns in Ruhe den Highlights. Im Kaufmannsladen will ich der Tochter alten, stinkenden Fisch andrehen, worüber sie sich scheckig lacht. Sie kauft dafür den gesamten Laden leer, wonach ich ihr 3 Millionen in Rechnung stelle. Während sie bezahlt, hau ich mit einem der vollen Einkaufswägen ab, was in einer Wagerl-Rennfahrt durch den Stock eskaliert. Ich bin nun wieder ganz 6 Jahre alt und spiele mit dem Kind „Boot bei hohem Wellengang“ auf den Balancebrettern. Abwechselnd landet eine von uns im Teppichmeer. Wir kudern, schwitzen und kreischen.

Spoiler: Irgendwann verwandeln wir uns dann wieder zurück in unser tatsächliches Alter.
Wir verlassen das Spielzeugmuseum Salzburg, stärken uns in einem Kaffeehaus und fahren mit der Bahn wieder zurück zu unserer gewohnten Tapete. Aber etwas ins anders. Wir fühlen uns erfrischt, aufgeladen und gut.

Ich warte schon auf die Kommentare, in denen mir unterstellt wird, ich hätte fast mehr Spaß an kindischen Dingen als Kinder selbst. Nun, darauf kann ich nur eines antworten: Stimmt. Mein inneres Kind ist sehr ausgeprägt. Ich freu mich darüber.

Wer mir ähnlich ist und/oder Kinder hat und auch ins Spielzeugmuseum Salzburg will, hier die Koordinaten und Öffnungszeiten (Stand: Ende Dezember 2021)

Bürgerspitalgasse 2
5020 Salzburg
Tel.: +43-662-62 08 08-300
E-Mail: spielzeug@salzburgmuseum.at
www.spielzeugmuseum.at

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 9–17 Uhr   


 



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