Wörterjause, Rechenfrühstück und Turnstunde für mich.

Die neue Situation (Schule außerhalb der Schule) ist keine zwei Tage alt, schon ändert sich was. Warum überrascht mich das nicht?
Geplant: Ich sitze ab Mittwoch wieder im Büro und der Mann übernimmt daheim den Job der Lehrerin. Realität: Der Mann ist in der Arbeit plötzlich mega systemrelevant, weil immer mehr Kollegen positiv getestet werden. Seit 2 Jahren ist er immer nur ganz kurz in der Arbeit (Kurzarbeit). Ausgerechnet dann, wenn es daheim wichtig ist, muss er arbeiten … Murphys Law, Paragraph 81, Absatz 2: Mutti wird’s schon richten. So bleibe ich also die ganze Woche in Sonderbetreuung.

Mäuse, Gleitzeit und seltsame Entspannung.
Ich wollte damit aufhören, mich zu beschweren. Und ich denke deshalb auch gar nicht daran, jetzt ein „aber“ einzusetzen. Gefolgt von einem Plädoyer, warum mir die Beschwerde-Tirade wohl zustünde. Von einer Warte aus betrachtet, die nur das Gute sieht, ist tatsächlich sehr viel gut.
Hier nur einige der vielen schönen Seiten der aktuellen Situation:

  • Ich kann endlich Mäuschen spielen und in der Schule hautnah dabei sein. Ich bekomme hautnah mit, was mein Kind lernt und wie es lernt. Ich sehe aus nächster Nähe, wo meine Tochter Stärken hat. Ich kann ihr dort helfen, wo sie Fragen hat.
  • Ich beschäftige mich Dingen, die mich sonst selten beschäftige. (Magnetismus, Musikinstrumente, Luftmaschen.)
  • Ich darf trotzdem Gleitzeit arbeiten und die Tochter ausnahmsweise auch. (Gestern starteten wir um 7:15 mit dem Unterricht, heute später.)
  • Wir machen Pausen.
  • Wir verbringen viel Zeit miteinander.
  • Meine Geduld wird geschult.
  • Ich muss nicht Auto fahren (ergo Stau stehen, ergo Parkplatz suchen, ergo Umwelt verpesten).
  • Ich habe keine bzw. kaum Termine (ein bisserl von meiner Arbeit mache ich nachmittags trotzdem)
  • Ich koche.
  • Ich falle abends dennoch gut erschöpft ins Bett.
  • Ich bin seltsam entspannt.

Pump, up and the gym.
Der Sport und ich. Wer dieses Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass Laufen zu meinem Leben gehört. Ich nenne es gern „die Jagd nach Endorphinen“. Laufen ist mein natürliches Antidepressivum. Es schützt mich davor, dass mir die Aufgaben auf eine ungesunde Art über den Kopf wachsen. Es sind jetzt genau sechs Jahre und ein Monat, dass ich regelmäßig, sprich zwei- bis dreimal die Woche laufe. Ich müsste lügen, wenn ich jetzt behaupte, dass es mir immer gleich viel Spaß macht. Das Laufen und ich, wir haben Ups and Downs. Wie in jeder Beziehung. Manchmal ödet uns die immer gleiche Strecke an – dann suchen wir eine Ausweichroute. Manchmal ermüdet das Material – dann gehen wir shoppen. Diesmal ist es das Wetter UND die Route. Bei Regen, Schnee und Kälte traben wir die ausgelatschten Pfade. Mir fiel es zunehmend schwerer, mich zu drei Runden in sieben Tagen zu motivieren. Dafür vielen mir allerhand Ausreden ein. Zu müde. Zu lange in der Arbeit gewesen. Zu wenig die Kinder gesehen. Zu viel zu tun. Ich will lieber lesen. Ich muss noch Ordnung machen. Ich muss noch waschen. Mach ich morgen. Zu finster. Dafür laufe ich morgen doppelt so weit. Halt! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man Zeit ohnehin nie hat, sondern sich nimmt. Für das, was man wirklich tun will, macht man doch immer irgendwie ein paar Minuten locker, oder? Alles andere ist ein Schweinehundus Interruptus. Da funkt der Schweinehund dazwischen.

Long story short: Abwechslung muss(te) her. Als mir dann aber ein Fitnessstudio „reinrennt“, das mehr Club als Studio ist … mit Discokugel und so Zeug, da ist es schon halb um mich geschehen. Für die andere Hälfte finde ich schnell ein paar gute Argumente. (Warum tu ich mir so schwer damit, mir etwas zu gönnen?) Ich schreibe mich also in einem Fitnessclub ein, für den ich eh kaum Zeit habe, aber ich freue mich wie eine Schneekönigen. Eines der guten Argumente war, dass der Vertrag monatlich kündbar ist. Mein Plan ist, bis zum Sommer dabei zu bleiben. Danach ist das Wetter besser und ich brauch vielleicht wieder neue Abwechslung. Mal sehen. In dieser ersten Woche, wo sich das Studio und ich erst mal beschnuppern, fühlt es sich jedenfalls besonders toll an.

Manchmal muss man raus, damit man sich aufs Heimkommen freuen kann.
Nach dem Homeschooling, dem Home Office und der „Wachablöse“ (Mann kommt heim und übernimmt) stehle ich mir für eine Zeit dorthin und es tut so gut. Das körperliche Auspowern genauso wie das Rauskommen aus den eigenen vier Wänden. Seit der Pandemie ist die ganze Familie sehr viel zuhause. Das ist einerseits total schön, andererseits will man sich manchmal wieder aufeinander freuen können.

Ein Gedanke zu “Wörterjause, Rechenfrühstück und Turnstunde für mich.

  1. Ich hab in den letzten 2 Jahren gelernt, dass es in fast jeder Situation irgend einen Funken Gutes gibt. Zugegeben, manchmal ziemlich tief vergraben, aber wenn man ganz genau hinhört und hinsieht findet man es. Wir sollten uns öfter auf das Gute konzentrieren.
    Habt ein feines Wochenende!
    PS. du hast mich motiviert und vielleicht such ich heute noch meine Laufschuhe – wo hab ich die nur wieder versteckt 😉

    Gefällt 1 Person

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