24 Stunden Wien.

Osterferien 2022. Im Vorfeld ist mal wieder einiges los.
Mental Load Status: kompliziert.

Sonntag Nachmittag sitzen die Tochter und ich im Zug nach Wien. In 1 Stunde und 14 Minuten ist mit dem Railjet von hier in der Bundeshauptstadt. Im Grunde ist es nicht länger als einmal brutal Staustehen in der Früh. Also wirklich nicht weit. Dennoch machen wir das viel zu selten.

Wir wollen abends nicht gleich wieder heim, sondern in einem hübschen Hotelbett schlafen. Und auf Netflix einen Kinderfilm sehen, bis uns die Augen zufallen. Ein Zimmer zu dieser Vorstellung ist schnell gefunden. Wir drücken begeistert jeden Schalter, als wir es beziehen und klettern kreischend die ausziehbare Treppe zum Bett hoch. Das Zimmer nennt sich „Rollercoaster Loft“ und beinhaltet ein Achterbahnticket für den Wiener Prater. Mehr dazu später.

Okay, jetzt ist später.
Wir beschließen, dieses Ticket einzulösen. Wir sind so flink damit, dass die Angst erst kommt, als unser Wagen ratternd nach oben gezogen wird. Die Tochter würde jetzt gern doch aussteigen. Ich sage ihr, sie solle die Augen schließen und mich fest drücken. Ich sage: „Ich bin da, es passiert nichts.“ Ich denke: „Wenn dieses Ding jetzt versagt, sterben wir beide.“ Es folgt eine beeindruckende Vorführung der Fliehkräfte. Mein Kopf tut sich schwer, in der Kurve Halt auf meinen Schultern zu finden. Ich denke an die Nackenschmerzen von Morgen, während ich im Heute so laut schreie, dass mir später im Bett das Schlucken brennen wird. Meine Tochter schreit auch und ich erkenne Panik, die allerdings vor der letzen Kurve in Stolz und Lust umschwenkt. Als wir aussteigen, ist mir schlecht. Schlechtes Gewissen, schlechter Magen. Mein Kind ist überwältigt von seinem Mut und möchte zum Runterkommen Karussell fahren.

Wir fahren gemeinsam noch ein paar Fahrgeschäfte. Sie findet immer mehr Gefallen. Ich fühle mich lebendig, wie lange nicht mehr. Dieses Ausgeliefertsein, nennen wir es „Loslassen“, macht was mit mir. Ich merke, wie lange ich schon nicht mehr losgelassen habe. Während ich mich loslasse, lässt mich mein Gleichgewichtssinn los. Ich brauche jetzt kein Abendessen mehr. Mir ist schlecht und schwindelig. Mir ist aber auch glücklich.

Unter Protest meiner Tochter gelingt uns der Rückweg ins Loft-Bett. Ich dusche seekrank in der Regendusche (Highlight!), esse Pombären (klappt gut) und dann schauen wir „Emoji – der Film“ (bis uns die Augen zufallen).

Panoramafoto mit dem iPhone. Ich mag den Effekt, wie die Sessel wie freie Striche vom Karussell wegführen. Ein Halt ohne feste Verbindung.
Fliegende Hüte. Speedy Gonzales und seine Sombreros.
Prater Allee, Anfang/Mitte April, 10 Uhr morgens, Montag der Karwoche.

Montag Früh frühstücken wir mit Blick über Wien. Es ist 7:06 und wir sind die Ersten. War klar. Dieses Kind schläft bis höchsten 6:00 Uhr. Unabhängig von ihrer Bettgehzeit. Und die wird untertags auch nicht müde. Wenn sie erstmal erwachsen ist, ist sie so eine Kandidatin, die nur 4 oder 5 Stunden Schlaf braucht. Die hat schon als Baby die vorgeschlagenen Schlafzeiten weit unterboten.

Danach machen wir einen Spielplatz unsicher, gehen 7 km zu Fuß zum Bahnhof und fallen in allerlei Shops und Museen und Parks und Gebäude, die unseren Weg kreuzen. Gut 24 Stunden nach unserer Abfahrt sind wir wieder zuhause. Glücklicher, stolzer und leicht verändert als zuvor.

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