Fast ein Jahr seit.

Es wird bald ein Jahr, dass meine Mama gestorben ist. Immer noch unfassbar das aufzuschreiben. Gestorben. Meine Mama. Aber längst ist die Wirklichkeit in mir und meinem Leben angekommen. Wie geht es mir heute? Und wie ginge es mir, wenn sie noch da wäre?

Jetzt schließt sich der Jahreskreis. Das heißt, wir haben fast alle „ersten Male ohne sie“ hinter uns. Das erste Mal heimkommen in einer Haus, in dem sie nicht mehr lebt. Das erste Mal kein Kommentar von Mama in der WhatsApp Familiengruppe. Das erste Mal Neuigkeiten haben und es Mama nur am Grab erzählen können. Das erste Mal Weihnachten ohne sie. Ihr erster Geburtstag, den sie nicht mehr erlebt. Das erste Mal Muttertag ohne meine Mutter.

Bald ist ihr erster Todestag. Das Trauerjahr ist um. Dann wird es „normaler“, dass sie nicht mehr da ist. Ich setzte das noch bewusst unter Anführungszeichen, weil „normal“ derzeit noch nicht passt. Es ist immer noch keine Gewohnheit, dass ihr Bild auf einem Patenzettel steht. Und sie fehlt immer noch, wenn’s was zu erzählen gäbe. Ich habe mich mit ihrer Abwesenheit arrangiert. Ich hab die allermeiste Zeit ein ganz wunderbares Leben. Das schließt aber nicht aus, dass sie mir fehlt.

Kürzlich sagte ich zu meinem Mann: „Es ist noch kein Tag vergangen, an dem ich nicht an Mama dachte.“ Er antwortete: „ Bei mir auch nicht.“ Wir haben unsere Mütter an zwei aufeinander folgenden Tagen verloren. Im Grunde gleichzeitig. Jeder ging mit dem Verlust auf seine Weise um. Jeder heilt anders. Doch hatten und haben wir so unendlich viel Verständnis füreinander.

Wie ginge es mir, wenn sie noch lebte? Hätte ich eine Entscheidung im letzten Jahr anders gefällt? Wär mein Leben reicher, hätte sie nie Krebs bekommen?

Erstaunlicherweise ist viel Gutes passiert. Mamas Ableben hat die Herkunftsfamilie mit Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins zusammengerückt. Wir haben uns jahrelang kaum gesehen und gehört. Jetzt bemühen wir uns um Kontakt. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Ich bin zudem rigoroser geworden bei Dingen, die mir nicht guttun, mich anstrengen oder auch nur langweilen. Ich habe nur dieses eine Leben und ich will keinen Tag davon verschwenden oder opfern. Nicht für etwas, das nichts für mich tun kann. Das versteht nicht jeder. Beziehungsweise wundert es die, die anders denken. Das kann ich mittlerweile aushalten. Eine Sichtweise, für dich ich ebenfalls dankbar bin.

Das ist viel Gewinn für einen Verlust. 🙂

Am 10. und 11. Juni wird es ein Jahr seit … seit meine Mütter (Mama und innige Schwiegermama) gestorben sind. Ich hab noch keine Ahnung wie wir diese Tage begehen werden. Ich lass es mal auf uns zukommen.

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